Das Schicksal liebt diese Vokabel. Zumindest wird es nicht müde, den von zeitloser Unschönheit geschlagenen Ausdruck immer wieder als Sprachrohr seiner gesichtslosen Allmacht einzusetzen. Der auf dem S-Bahnsteig oder im ICE-Sessel nichts Böses Ahnende hat deshalb Recht, wenn ihn das Gefühl beschleicht, die Ankündigung eines Schienenersatzverkehrs träfe ihn nicht aus heiterem Himmel. Das sperrige Wort soll ihn vielmehr erinnern: Herr über Raum und Zeit, über Warten und Weiterkommen bist nicht du, nichtiger Reisender. Das plötzlich in den Zustand völliger Passivität katapultierte Menschlein mag auf diesen Kontrollverlust reagieren, wie es will: Tobsucht, Wutentladung per SMS oder spontane Meutebildung – alles verhallt. Aug in Aug mit dem Schienenersatzverkehr bleibt nur eines: in tiefer, buddhistischer Demut zu tun, was eigentlich gemeint ist und den Bus zu nehmen.

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