Normalerweise gibt es auf den Finanzmärkten eine Tendenz zu steigenden Preisen, sieht man vom Devisenmarkt ab, wo Geld gegen Geld getauscht wird. Übertriebener Optimismus war die Ursache der amerikanischen Häuserpreisblase und auch der Grund dafür, dass Griechenland über viele Jahre für seine Schulden kaum höhere Anleihezinsen als Deutschland zahlen musste. Tatsächlich handelte es sich bei diesen Anleihen auch um Subprime-Kredite.

Gegen Übertreibungen und Finanzblasen ist bislang noch kein besseres Instrument gefunden worden als – Leerverkäufe. Short Seller tragen dazu bei, dass die Kurse nicht in den Himmel steigen. Ein Aktienhändler, der die Papiere eines Unternehmens für überbewertet hält, kann sich solche Papiere für eine bestimmte Zeit leihen und sogleich verkaufen. Wenn der Rückgabetermin naht, muss er sich die gleichen Aktien an der Börse besorgen. Ist der Preis in der Zwischenzeit gefallen, wie der Händler es erwartet hatte, macht er einen Gewinn. Ist der Kurs zwischenzeitlich aber gestiegen, schließt der Händler das Geschäft mit Verlust ab. Das Ganze funktioniert auch mit Anleihen.

In Deutschland waren bisher anders als in den USA auch sogenannte ungedeckte Leerverkäufe (also ohne Ausleihe) erlaubt. Sie erregen besonderen Argwohn: Wie kann einer verkaufen, was er gar nicht besitzt? Das kann er tatsächlich auch gar nicht. Es handelt sich nämlich nicht um echte Verkäufe, sondern um verbindliche Zusagen, Wertpapiere in naher Zukunft zu liefern. Solche Geschäfte hat die Finanzaufsicht Bafin nun untersagt, weil sie sich in turbulenten Börsenphasen schädlich auswirken können.

Gemeinsam mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy drängt Angela Merkel außerdem darauf, dass nur noch solche Investoren Versicherungen gegen den Ausfall von Anleihen abschließen dürfen, die diese Anleihen selbst besitzen. Spekulanten sollen so nicht mehr von wachsenden Pleiteängsten profitieren können. Das wird aber nichts daran ändern, dass überschuldete Staaten pleitegehen können.

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