Uhren, Banken, Schokolade: Die Schweiz wird gern über ihre "Cluster" wahrgenommen, über wirtschaftliche Felder, in denen sie herausragend ist. Ein Feld aber wird stets vergessen: Sport. Im Sportmanagement ist das Land eine Supermacht. Der Weltfußballverband Fifa sitzt in Zürich, das Olympische Komitee IOC in Lausanne, die Uefa in Nyon; der Handballverband in Basel, die Basketballföderation in Genf, der Skiverband FIS am Thuner See. Dutzende globale Sportverbände haben sich hier angesiedelt, von populären Disziplinen wie Schwimmen bis zu Orchideenfächern wie Tischtennis.

Warum sind sie alle da? Die Erklärungen erinnern an die Debatte ums Bankgeheimnis: Die Sportverbände sind hier, weil die Schweiz mit niedrigen Steuern lockt. Oder aber: Die Sportverbände sind hier, weil die Schweiz Stabilität und Neutralität im Herzen Europas bietet. Dass dieses Angebot wirklich wichtig war, lässt sich aus der Geschichte herauslesen: Das IOC siedelte sich schon 1915 in Lausanne an – mitten im Ersten Weltkrieg. Die Fifa verlegte ihren Sitz in den turbulenten dreißiger Jahren von Paris nach Zürich. Und die Uefa wurde 1954 in Basel gegründet, an einem Ort, an dem sich die Funktionäre von beiden Seiten des Eisernen Vorhangs problemlos treffen konnten. Die Prestige-Verbände wiederum lockten weitere ins Land: So haben heute zwei Drittel der olympischen Sportarten ihren Hauptverbandssitz am Genfer See – möglichst nah beim IOC.

Aber hinzu kommt eben auch, dass das Schweizer Vereinsrecht so reizvoll ist. Es befreit selbst Milliardenverbände weitgehend von der Steuerpflicht. Die Fifa erzielte letztes Jahr bei 1,06 Milliarden Dollar Umsatz einen Reingewinn von 196 Millionen Dollar – und dafür bezahlte sie 789.000 Dollar Steuern. Solange ein Sportverein seine Erträge für einen ideellen Zweck nutzt, ist es gar nicht relevant, ob er ein Dorf-Ruderclub oder ein Weltverband ist – er wird grundsätzlich steuerbefreit. Ergo sehen die Statuten der Fifa brav vor, dass die Einnahmen an die Mitgliedsverbände gehen. Und dass diese wiederum die Fifa-Gelder in den Bau von Sportfeldern oder in die Jugendförderung stecken sollen. Allerdings werden Vereine allgemein weniger scharf kontrolliert als Wirtschaftsbetriebe – sodass hier oft ein Hang zu Vetternwirtschaft, Spesenritterei und zum Palastbau spürbar wird.

Doch all das ist in der Schweiz demokratisch abgestützt; alle Versuche, die Sportverbände zu melken, sind gescheitert. So jüngst geschehen im März: Da schmetterte der Nationalrat mit klarem Mehr eine parlamentarische Initiative ab, welche die Besteuerung von Fifa und Uefa forderte.