Dies ist ein feines Restaurant. Und in feinen Restaurants muss man besonders lange warten, bis das Essen kommt. Das liegt daran, dass das Essen hier frisch zubereitet wird. Am meisten Arbeit macht es dem Koch, frisches Salz zu besorgen.

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Das ist nur richtig frisch, wenn es noch lebt. Lebendiges Salz findet man auf einem riesigen Berg in der Nähe von Hannover. Man sieht ihn von der Autobahn aus, er ist weiß; viele Leute halten ihn für einen Zuckerberg. Doch er besteht aus Tausenden Tonnen lebendigen Wildsalzes. Die Köche aus ganz Deutschland holen sich da ihr Salz.

Kommt einer am Salzberg an, muss er zuerst eine Karte ziehen, damit er weiß, wann er dran ist. Nach fünfzehn Minuten, manchmal erst nach einer Stunde ist es so weit. Er stopft, so schnell es geht, das Salz in seine Kochmütze, je schneller, desto besser. Denn wildes Salz ist bissig. Es kann blutende Wunden beißen.

Ist die Mütze voll, eilt der Koch zurück in sein Restaurant. Das Salz muss nämlich noch am Leben sein, wenn er es in die Suppe oder über das Fleisch streut. Wenn es schon tot ist, schmeckt es wie ganz normales Salz. Dann muss der Koch noch einmal nach Hannover fahren.