Die Mittelklassen sind auf den Geschmack gekommen. In den traditionellen Märkten, vor allem in Europa, verlangen Konsumenten nach Schokolade mit hohem Kakaogehalt. Hinzugekommen sind Schokoladenfreunde in Schwellenländern wie China, Russland, Brasilien und Indien. Der Bedarf an Kakaobohnen wächst, weltweit.

Die Produktion jedoch lahmt. Seit Jahren halten die Erträge des Kakaobaums, Theobroma cacao, nicht mit der wachsenden Nachfrage mit. Das Angebot stagniert oder geht sogar zurück, wie in der Côte d’Ivoire, der Elfenbeinküste. Das wichtigste Produzentenland steuert ein Drittel der weltweiten Erträge bei. In der Schokoindustrie zerbricht man sich zurzeit den Kopf darüber, wie in dem westafrikanischen Land die Produktion gesteigert werden könnte.

Angesichts der ungestillten Nachfrage müsste Gligbeadji, ein Weiler rund 90 Kilometer nördlich der Hafenstadt San Pedro, eine Blütezeit erleben. Aber davon sind die Bewohner, sieben Familien und einige Tagelöhner, weit entfernt. "Etwas stimmt nicht", sagt der Kakaobauer Konadio Kpele. "Die Einbußen sind groß, das Wetter allein kann es nicht sein." In der Saison 2007/08 hatte Kpele auf sieben Hektar Land 3,5 Tonnen Kakaobohnen geerntet, im letzten Jahr waren es noch 2,5 Tonnen. Der steigende Preis habe den Verlust gerade noch ausgeglichen. Zurzeit bekommt Kpele von der örtlichen Kooperative – einer Art Genossenschaft – pro Kilo umgerechnet anderthalb Euro ausbezahlt.

Gligbeadji ist eine typische Kakaosiedlung im Westen der Côte d’Ivoire. Vor 25 Jahren war das Gebiet noch von tropischem Sekundärwald überzogen und dünn besiedelt. Dann wurde es für den Kakaoanbau erschlossen. Unter dem Gründerpräsidenten Houphouët-Boigny genoss dieser oberste wirtschaftspolitische Priorität. Ivorer behaupten gerne, wer Kakao sage, denke an Côte d’Ivoire und umgekehrt. Fast alle wichtigen Schokoladenkonzerne sind in dem Land vertreten.

Alle Artikel zum Thema in der Übersicht © DIE ZEIT

Der Weltmarktführer Barry Callebaut (Sarotti, Alpia, Alprose) aus der Schweiz produziert in zwei Fabriken in San Pedro und in der Hauptstadt Abidjan Kakaomasse. Mit einer Viertelmillion Tonnen pro Jahr kauft das Unternehmen etwa ein Viertel der ivorischen Ernte auf. Die Kakaomasse, ein Zwischenprodukt, das in Blöcke zu je 30 Kilogramm gepresst und exportiert wird, schmeckt selbst in Krümeln so bitter, dass auch Liebhaber extrabitterer Schokolade davor zurückschrecken, eine Kostprobe herunterzuschlucken.

In der Mitte des Weilers Gligbeadji stehen Bänke unter einem Baldachin aus Bananenblättern. Hier sprechen die Bewohner über sinkende Erträge und die Tricks der Zwischenhändler. Gleich neben den Häusern beginnen die Plantagen. Die Kakaobäume, die auf eine Höhe von 4 bis 6 Metern gestutzt sind, wirken wie ein Wald. Vögel zwitschern, Hühner gackern, in der Ferne lachen Kinder.

Zur Erntezeit schneiden die Pflanzer mit an Stangen befestigten Sicheln die Kakaoschoten vom Baum. Sie fallen mit einem dumpfen Schlag ins Laub. Die Kinder tragen die Früchte auf einem Haufen zusammen. Um diesen herum sitzen Männer im Gras, sie nehmen Schote für Schote in die Hand und zerschlagen sie mit Macheten. Daraufhin werden die im süßlichen weißen Fruchtfleisch liegenden Bohnen herausgelöst, zum Fermentieren auf Bananenblättern ausgebreitet und zugedeckt. Nach fünftägiger Fermentation werden die Bohnen auf hölzernen Rosten ausgelegt, wo sie in der Sonne trocknen. Die Bohnen schimmern braun im Licht. Das Innere ist violettfarben, leicht ölig.