ZEITmagazin: Haben Sie und Strauß sich eigentlich gemocht?

Schmidt: Gemocht ist vielleicht zu viel gesagt, aber wir haben uns auch privat ausgetauscht und unterhalten, und das nicht nur einmal.

ZEITmagazin: Was deutsche Politiker heute auszeichnet, ist, dass sie sich mit Machtdemonstrationen in aller Regel zurückhalten und, gemessen an anderen Ländern, geradezu bescheiden auftreten.

Schmidt: Ich teile Ihre Einschätzung nicht. Wenn zum Beispiel die gegenwärtige Bundeskanzlerin wegen der Griechenlandkrise gleichzeitig erstens den Chef des Internationalen Währungsfonds, zweitens den Chef der Internationalen Handelsorganisation, drittens den Chef der Weltbank und viertens den Chef der Europäischen Zentralbank nach Berlin bittet, dann kann man das wirklich nicht als bescheiden bezeichnen.

ZEITmagazin: Nehmen Sie nur die Ausstattung der Regierungsmitglieder, man gönnt sich hier viel weniger als etwa in Frankreich.

Schmidt: Ich hoffe, dass Sie recht haben. Aber es gibt auch andere Beispiele. Schauen Sie sich diesen hässlichen Bau des neuen Kanzleramts in Berlin an. Den finde ich gar nicht bescheiden, den finde ich sehr unbescheiden!

ZEITmagazin: Wie fanden Sie Ihren Kanzlerbungalow?

Schmidt: Brauchbar.

ZEITmagazin: Haben Sie darin auch selbst gewohnt?

Schmidt: Ja.

ZEITmagazin: War er einigermaßen komfortabel?

Schmidt: Nein! (lange Pause)

ZEITmagazin: Warum nicht?

Schmidt: Es war ein typischer Architektenbau – schön anzusehen, aber unpraktisch. Für Empfänge von Staatsgästen war der Kasten allerdings zu gebrauchen.