ZEITmagazin: Sie haben immer wieder betont, dass Sie zum Leben nur wenig brauchen. Ist das ganz aufrichtig, oder sagen Sie das auch, weil man es von Ihnen erwartet?

Schmidt: Es ist erstens aufrichtig, und zweitens habe ich es nicht überbetont, sondern lediglich geantwortet, wenn ich danach gefragt wurde. Es ist ganz einfach: Es entspricht der Wahrheit.

ZEITmagazin: Sie haben mal gesagt, Ihr Luxus sei auf den Besitz von Bildern und Büchern beschränkt.

Schmidt: Ja, das stimmt. Bilder insbesondere, seitdem mir die Musik versagt ist.

ZEITmagazin: Wird es eines Tages ein Helmut-Schmidt-Museum geben, in dem Ihre Bilder ausgestellt werden?

Schmidt: Das wohl nicht, aber mein Haus, mit allem, was drin ist, allen Büchern und Bildern, gehört einer Stiftung, und die wird es sicherlich der Öffentlichkeit zugänglich machen, so ähnlich, wie es mit Adenauers Haus in Rhöndorf geschehen und wie es in Amerika schon seit langer Zeit für beinahe jeden Präsidenten üblich ist – aber in meinem Falle natürlich in sehr bescheidenem Rahmen.

ZEITmagazin: Hat es Sie jemals gereizt, in die Wirtschaft zu gehen und viel Geld zu verdienen?

Schmidt: Nein, hat es nicht. Es war mir aber immer wichtig, im Alter versorgt zu sein. Deshalb wollte ich am Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre auch aus der Politik ausscheiden. Ich habe damals darauf spekuliert, dass mir schon irgendjemand eine Stelle in der Wirtschaft anbieten würde; und ich habe gehofft, dass diese Stelle es mir erlauben würde, im Rentenalter vom Ersparten zu leben. Das war in einer Zeit, in der es noch keine Abgeordnetenpensionen gab. Als sich das später änderte, habe ich nie mehr über eine Karriere in der Wirtschaft nachgedacht.

ZEITmagazin: Es kamen ja dann auch die Einnahmen aus Ihren Reden und Büchern hinzu.

Schmidt: Ja, aber das war nicht mehr wichtig. Denn es gab inzwischen nicht nur eine ausreichende Pension für die Abgeordneten, sondern auch eine Pension für den ehemaligen Bundesminister und späteren Bundeskanzler. Da spielte das Geld für mich keine wichtige Rolle mehr.

Das Gespräch führte ZEIT-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo