Wenn Polen sich Schmerz und Stolz hingibt, dann kommen die Menschen hier zusammen, im Zentrum von Warschau, auf einem riesigen Platz, der seit 1989 wieder nach General Józef Piłsudski benannt ist, dem Vorkämpfer der polnischen Unabhängigkeit.

Zu Tausenden legen sie dann Blumen nieder auf den Steinplatten, zünden ewige Lichter an oder hören gebannt zu. Auf diesem Platz standen sie vor einem Monat, als sie des Präsidentenpaars und all der anderen Opfer der Katastrophe von Smolensk gedachten; hier standen sie 1979 zu Hunderttausenden, als der im Jahr zuvor gewählte Papst Johannes Paul II. zu seinen Landsleuten sprach: "Fürchtet euch nicht!"

Zehn Jahre später besiegten die Menschen den Kommunismus; und obwohl die Proteste im Wunderjahr 1989 unblutig verliefen, war der Weg dorthin lang und der Preis hoch. Männer wie der Priester Jerzy Popiełuszko zahlten ihn. Auf dem Piłsudski-Platz wird er nun – am 6. Juni – seliggesprochen. So hatte es Johannes Paul gewünscht, so hat es sein Nachfolger Benedikt XVI. veranlasst.

Jerzy Popiełuszko war neben dem polnischen Papst der größte Held der Kirche im Kampf gegen den Kommunismus. Der Papst durfte das Ende dieser Diktatur erleben – Popiełuszko nicht. 37 Jahre alt war er, als ihn der polnische Sicherheitsdienst am 19. Oktober 1984 ermorden ließ .

Im Sommer 1980 wurde er, der Bauernsohn, zur Stimme der Kämpfenden. Eine Delegation streikender Warschauer Stahlarbeiter bat damals, dass ein Priester die Messe für sie auf dem Fabrikgelände lesen möge. Popiełuszko meldete sich. Von da an predigte er jeden Sonntag vor den Arbeitern, er bildete sie fort in Geschichte, Wirtschaft und Literatur, er unterstützte jene, die verfolgt und schikaniert wurden, er hielt seine "Messen für das Vaterland", bei denen sich Tausende dicht aneinanderdrängten – Arbeiter, Professoren, Studenten.

Doch schon bald begannen die Machthaber, gegen ihn zu ermitteln. Dreizehn Mal wurde er in der ersten Jahreshälfte 1984 zum Verhör geladen. Der junge Priester fühlte sich zerrissen, von allen Seiten wurde er bedrängt. Er war unschlüssig, ob er eine Zeit lang nach Rom gehen sollte. Der Primas der polnischen Kirche, Józef Glemp, drängte ihn nicht – Popiełuszko blieb.

Es war bereits dunkel, als er sich am 19. Oktober 1984 auf den Weg zurück nach Warschau machte. Er hatte in Bromberg gepredigt, er war erschöpft, seit Wochen schon. Unterwegs hielten ihn Funktionäre des Sicherheitsdienstes an, sie trugen Polizeiuniformen. Sein Fahrer entkam, Jerzy Popiełuszko wurde festgehalten. Die Männer schlugen ihn zusammen, fesselten und knebelten ihn. Elf Tage später fand man den Leichnam in der Weichsel.