Es ist nicht leicht, in diesen Tagen ein Hedgefonds-Manager zu sein. Fast täglich stellen einen Politik und Boulevard an den Pranger. Menschen wie George Soros, John Taylor oder David Einhorn sollen erst Griechenland und dann den Euro angegriffen haben, geheime Absprachen bei einem geheimen Dinner der Grund für die europäische Schuldenkrise sein. Bernard Madoff entpuppte sich als Wall-Street-Betrüger. Und die dreistelligen Millionensummen, die sich viele Mitglieder der Kaste für ihre Arbeit von den Erträgen ihrer Zockerei abzweigen, sind den meisten Menschen suspekt, zumal die Deals der Hedgefonds kaum jemand nachvollziehen kann. Dass der Finanzministerrat und der Wirtschaftsausschuss des EU-Parlaments vergangene Woche strengere Regeln für Hedgefonds und private Beteiligungsgesellschaften beschlossen haben, klingt also erst einmal nach einer guten Nachricht. Wenn die Beschlüsse im Juli endgültig verabschiedet werden, dürften die Geschäfte der Hedgefonds-Manager transparenter und damit verständlicher werden.

Kaum eine Anlageklasse sorgt für so viele Missverständnisse wie die der Hedgefonds. Das beginnt mit dem Begriff, der weltweit für völlig unterschiedliche Geschäfte steht, die wenig bis gar nichts miteinander zu tun haben. Pauschal ist dabei das Vorurteil, die Manager spekulierten ungezügelt. Und wer sich schließlich von seinem Banker hat einreden lassen, er könne als Privatanleger kein Geld in Hedgefonds anlegen, ist ebenfalls falsch informiert.

Doch der Reihe nach: Was unter dem Schlagwort durch die Öffentlichkeit geistert, hat nicht allzu viel mit Fondsmanagement nach hiesigem Verständnis zu tun. Die meisten Hedgefonds-Manager führen Unternehmen, an denen man sich beteiligen kann, auch in Deutschland. Doch hat kein Hedgefonds-Anbieter ein Interesse am Geschäft mit Kleinsparern, und kaum ein Privatanleger verfügt über die Mittel, um in den illustren Kreis der Hedgefonds-Anleger aufgenommen zu werden.

Verbraucherschützer begrüßen Vertriebsverbot für Hedgefonds

Anders sieht es bei den Produkten aus, die nach den Regeln des deutschen Investmentgesetzes konstruiert sind und die die Fondsbranche ebenfalls als Hedgefonds bewirbt. Nach deutschem Investmentgesetz sind Hedgefonds nämlich keine Unternehmensbeteiligungen, sondern Sondervermögen – genauer: "Sondervermögen mit besonderen Risiken". Der Manager verwaltet darin fremdes Geld als Treuhänder, und das Anlegerkapital ist gegen eine Pleite der Verwalter-Firma geschützt.

Erst seit dem Jahr 2004 sind solche Fonds in Deutschland überhaupt erlaubt. Deren Manager tun es den Großspekulanten gleich und dürfen, im Gegensatz zu reinen Aktien- oder Rentenfonds, in alle Produkte investieren, die der Kapitalmarkt hergibt. Zwei besondere Freiheiten kommen hinzu. Erstens sind ihnen "Leverage"-Geschäfte erlaubt, der Kauf von Aktien oder Derivaten auf Pump. Sind die Erträge aus den eigenen Geschäften höher als die Zinsen für den Kredit, kassieren Investoren die Differenz und erhöhen so ihre Eigenkapitalrendite. Und zweitens sind den Verwaltern auch Leerverkäufe gestattet: Hedgefonds-Manager können Vermögensgegenstände verkaufen, die sie gar nicht besitzen. Damit können sie auch auf fallende Kurse spekulieren. Die Möglichkeit, leer zu verkaufen, hat der deutsche Gesetzgeber vergangene Woche zwar eingeschränkt, doch Überschriften wie Spekulation verboten übertreiben dabei ein wenig: So untersagt die Finanzaufsicht Bafin auf Anweisung von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bislang lediglich ungedeckte Leerverkäufe von Aktien der zehn wichtigsten deutschen Finanzinstitute, von Staatsanleihen der Euro-Länder und darauf abgeschlossene Kreditausfallversicherungen, den sogenannten Credit Default Swaps (CDS). Mit diesem Vorstoß will Schäuble die Spekulation eindämmen, denn wer ungedeckt leer verkauft, hat sich Aktie oder Anleihe zuvor nicht einmal geliehen.

Was den Vertrieb betrifft, gibt der Gesetzgeber Hedgefonds in Deutschland schon seit 2004 klare Grenzen: Als Einzelfonds dürfen sie hierzulande nicht öffentlich angeboten werden. Wer seinen Bankberater explizit danach fragt, bekommt sie, wenn sich die Bank ins Zeug legt. Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen begrüßt dennoch das aktive Vertriebsverbot für Hedgefonds: Der Gesetzgeber fürchte zu Recht, dass Instrumente wie Leverage und Leerverkäufe Risiken bergen, die unerfahrene Privatanleger kaum überblicken könnten. "Wir würden sogar dafür plädieren, dieses Verbot auch auf andere Produkte auszuweiten, bei denen Anleger keine Chance haben, sie zu verstehen." Komplexe Zertifikate etwa oder manche als geschlossene Fonds konstruierte unternehmerische Beteiligungen seien ähnlich kritisch einzustufen wie Hedgefonds.