So gut wie mein Held Kurt Vonnegut könnte ich es nie sagen. Für seinen Grabstein hatte der Schriftsteller sich folgende Inschrift gewünscht: "Der einzige Beweis, den er für die Existenz Gottes benötigte, war die Musik." Und um einen anderen meiner Helden zu zitieren, den Komödianten Norm MacDonald: "Ganz egal, wie mies das Leben ist, es gibt ja immer Whisky."

So geht es mir mit der Musik. Selbst in meinen dunkelsten Tagen an der Highschool war sie eine zuverlässige Beschützerin. Damals stand ich vor allem auf Punkrock. Wenn ich obskure Bands wie Screeching Weasel oder The Vindictives hörte, fühlte ich mich nicht mehr einsam. Ich lernte, für mich zu spielen. Das machte mich stark. Meine Gitarre wurde ein Handwerkszeug, mit dem ich mir eine neue Identität schuf. In der amerikanischen Provinz konnte man auf diese Weise mehr vom Leben haben. Ich war kein Vorstadt-Teenager mehr, sondern ein Entertainer.

Dieses Bedürfnis, zu unterhalten, übertrug ich schließlich in die Schriftstellerei, und wenn ich auf meine Romane zurückblicke, sehe ich, dass die Verehrung für die Musik offenbar eine ganz besondere Rolle in meinem Leben spielt. In jedem Buch ist die Musik ein Vehikel, das meinen entfremdeten Figuren dazu dient, mit anderen Menschen in Beziehung zu treten. Für mich persönlich, in meinen Romanen wie in meinem Leben, symbolisiert die Musik zweierlei: Hoffnung und Chance. Für Gott aber ist Musik, sind diese heiligen Vibrationen vielleicht der Beweis, dass wir Menschen seine Mühe wert waren.

Aus dem Englischen von Matthias Fienbork

Joey Goebel wurde 1980 in Kentucky geboren und zählt zu den begabtesten Popliteraten der Gegenwart. Auf Deutsch erschienen von ihm die Romane "Freaks", "Vincent" und "Heartland" sowie ein Hörbuch (alles im Diogenes-Verlag). Er war Frontmann der Punkband The Mullets, zu hören auf iTunes