Ist Leben etwas ganz Besonderes? Wohnt allem Belebten eine besondere Eigenschaft oder Substanz inne, die für seine Lebendigkeit verantwortlich ist?

Seit Urzeiten streiten Naturwissenschaftler, Theologen und Philosophen über diese Frage. Es steht einiges auf dem Spiel. Für viele liegt das Mysterium des Lebens jenseits des menschlichen Zugriffs und auch jenseits unserer Auffassungsgabe. Leben wäre demnach ein unbeschreibliches Phänomen. Außer natürlich – im Lichte der Nachricht, dass Craig Venter ein künstliches Bakterium hergestellt hat – das stimmt alles nicht.

Die synthetische Biologie schafft Mikroben nach Plan. Sie soll es Wissenschaftlern erlauben, Viren und Bakterien zu bauen, die viele der drängendsten Weltprobleme lösen: indem sie Nahrung erzeugen, nach Industrieunfällen Umweltgifte verdauen, im menschlichen Körper Infektionen bekämpfen oder dort gefährliche Substanzen wie Cholesterin vertilgen.

Der mögliche Nutzen ist wahrhaft überwältigend, aber diese machtvolle Technologie braucht auch regulatorische Schranken. Von Mikroben bauenden Bösewichtern und unachtsamen Forschern könnten ernste Gefahren ausgehen. Venter und sein Team waren umsichtig genug, ihre Kreation mit molekularen Wasserzeichen zu markieren – das sollte man von jedem Hersteller synthetischen Lebens verlangen.