Die Frage: Maria und Karl sind seit acht Monaten zusammen. Karl war stark in die Familie seiner Expartnerin integriert und ist auch Pate ihrer Nichte. Nach der Trennung will er die Beziehung zu dem Kind weiter pflegen und auch seine neue Partnerin einbeziehen. Nachdem er einmal mit dem Patenkind und dessen Mutter ein Thermalbad besucht hat, gibt es Streit. Karl hatte in Marias Augen die Vaterrolle übernommen und nur noch Augen für das fremde Kind und dessen Mutter.

Zu ihr selbst habe er den Kontakt gemieden, sie fühlte sich überflüssig. Karl erwidert, dass seine Patenfamilie und er eben ein eingespieltes Team seien. Maria fragt sich, was sie von dieser Exfamilie halten soll. Sie will keine Szenen mehr erleben wie jene im Thermalbad, aber sie möchte auch nicht Karl durch ihre Eifersucht von sich entfernen.

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Wolfgang Schmidbauer antwortet: Wenn Karl auch nach der Trennung von der Tante seines Patenkindes den Kontakt zu dem Mädchen und dessen Mama pflegen will, könnte das ein Hinweis auf seine Gutherzigkeit sein. Kinder sollten nicht darunter leiden, wenn Erwachsene sich trennen. Sollte Karl allerdings im Kontakt zum Patenkind und dessen Mutter Rest-Nähe zu seiner Exfreundin suchen, ist Maria mit gutem Grund gereizt. Wahrscheinlich hat sie aber nur Karls Fähigkeiten überschätzt, in einer Situation wie dem gemeinsamen Besuch der Therme alle Beziehungsaufgaben unter einen Hut zu bringen.

Ich würde Maria raten, es Karl zu überlassen, wie viel Zeit er für seine Patenpflichten aufwenden möchte. Sie sollte allerdings nicht dulden, dass sie von ihm kaum wahrgenommen wird, wenn die Patenfamilie auftaucht.

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE.

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