Die Liste der Zutaten ist kurz. Viel Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff, reichlich Stickstoff, dazu Phosphor und etwas Schwefel. Schließlich Salze, eine Prise Kobalt, Zink und Mangan. Man könnte damit Felder düngen. Oder Leben erschaffen.

Die genaue Rezeptur, die aus Elementen toter Materie belebte Natur entstehen ließ, ist indes seit vier Milliarden Jahren verschollen. Damals war sie ganz offensichtlich ein Volltreffer. Schon bald nach der Entstehung der ersten, noch primitiven Lebewesen wimmelte es auf der Erde: Bakterien, Einzeller, Pilze, die Pflanzen und schließlich die Tiere entstanden – Leben erwies sich als Erfolgsrezept.

Ein Stoff aus Retorten und Maschinen erwacht erstmals zum Leben

Bis heute ist es nicht gelungen, die atemberaubende biologische Vielfalt auch nur annähernd zu erfassen, geschweige denn, ihre Urkraft zu entschlüsseln. Sicher ist nur: Alles Lebendige auf Erden stammt von einem unbekannten Protowesen aus der Frühzeit des Planeten ab. Wie aber ist jener Funke beschaffen, der das Feuerwerk der organischen Natur zündete – und das Leben bis heute am Laufen hält? "An welcher Stelle tritt der entscheidende Übergang von toter zu lebender Materie ein?", grübelt der Chemiker Helmut Schwarz von der Technischen Universität Berlin , einer der Besten seiner Zunft. "Das können wir bis heute nicht sagen."

Nun tritt ausgerechnet die jüngste Disziplin der Biowissenschaften an, eine Antwort zu geben: Die Synthetische Biologie will Lebewesen gezielt verändern, ihre inneren Prozesse steuern, gar neue Kreaturen erschaffen. Im Verein mit der Genomforschung dringt sie dabei zum Kern des Lebens vor. Wie weit sie schon gekommen ist, zeigte sich am Freitag vergangener Woche.

Im Fachblatt Science präsentierte der Forschungsvisionär Craig Venter seinen jüngsten Coup. In den Labors seines privaten J. Craig Venter Institute (JCVI) in Rockville, Maryland, erschufen Wissenschaftler einen Mikroorganismus, der vollständig von künstlich synthetisiertem Erbgut kontrolliert wird – das in Maschinen aus toten Atomen entstand. Und, diese Kreatur wächst und vermehrt sich: "Mein Gott – es lebt", erschauerte die Frankfurter Rundschau .

Ein erster Hauch künstlichen Lebens: Craig Venter verkündet das erste künstlich hergestellte Bakterium

Schon im Jahr 1998 hatte Venter mit dem Start seines legendären Wettlaufs gegen das internationale Projekt zur Entzifferung des Humangenoms weltweit Aufsehen erregt. Die Feuilletons feierten ihn als Gen-Guru. Nicht minder groß war die Aufregung, als er versprach, Leben zu erzeugen. Künstlich programmierte Zellen, erklärte Venter, könnten die Prinzipien des Lebens deutlich machen und ganz nebenbei die Welt von Energieproblemen befreien, Arzneimittel produzieren oder verseuchte Böden reinigen.

Vier spektakuläre Experimente hat sein Team, zu dem einige der Klügsten in Sachen Technologie und Theorie zählen, seitdem durchgeführt: