DIE ZEIT: Ihr Unternehmen Geneart bietet das Synthetisieren von DNA als Dienstleistung an. Wie bestellt man bei Ihnen ein Gen?

Ralf Wagner: Im einfachsten Fall über das Kundenportal auf unserer Website: Dort geben Sie die gewünschte DNA-Sequenz ein. Wir überprüfen, ob wir Ihr DNA-Fragment herstellen können und ob wir es rechtlich herstellen dürfen. Der Rest ist Chemie: Der Oligosynthesizer, unser Syntheseapparat, reiht die vier Basen des genetischen Codes aneinander. Wir können Fragmente mit einer Länge zwischen 10.000 und 100.000 Basenpaaren erzeugen. Craig Venter hat übrigens auch schon DNA bei uns bestellt, allerdings nicht für die jetzt veröffentlichte Arbeit.

ZEIT: Sie können also jede Sequenz herstellen?

Wagner: Es gibt nur zwei Einschränkungen: Entweder ist die Basenabfolge zu schwer zu synthetisieren, das kommt aber praktisch nie vor. Oder wir dürfen die Sequenz aus rechtlichen Gründen nicht herstellen – dann lehnen wir den Auftrag natürlich ab.

Ein erster Hauch künstlichen Lebens: Craig Venter verkündet das erste künstlich hergestellte Bakterium

ZEIT: Einem Journalisten der britischen Zeitung The Guardian gelang es 2006, einen Teil des Pockenvirus-Genoms von der englischen Firma VH Bio Ltd. synthetisieren zu lassen. Wie stellen Sie sicher, nicht an Bioterroristen zu liefern?

Wagner: Dafür haben wir ein Sicherheits-Screening. Als Erstes schauen wir nach, aus welchem Land der Kunde kommt. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle gibt eine Liste mit Staaten heraus, in die wir nicht liefern dürfen. Als Zweites gleichen wir die Daten des Kunden mit der Haddex-Liste ab. Diese Liste wird von Nachrichtendiensten weltweit herausgegeben und führt alle Organisationen, Individuen und Institute auf, die sich in der Vergangenheit verdächtig gemacht haben. Als Letztes gleichen wir die Sequenz mit einer Datenbank ab, in der alle bisher bekannten Gensequenzen verzeichnet sind. Laut Gesetz dürfen wir in Staaten außerhalb der EU keine Mikroorganismen oder Teile von Mikroorganismen versenden, die für einen kriminellen Zweck missbraucht werden könnten.

ZEIT: Haben Sie jemals einen Missbrauchsversuch registriert?