Ihn zu verrätseln ist eine Herausforderung, denn er ist berühmt, einmalig, eine Art Gesamtkunstwerk, um nicht zu sagen: Er ist ein Superstar – nicht erst, seit es das Format im Fernsehen gibt. Insofern können wir hier eigentlich nur Dinge über ihn preisgeben, die untypisch sind. Alles andere wäre viel zu einfach. Oder wir lassen ihn in eigenen Worten von sich erzählen, etwa so: "Jazz war meine Babynahrung. Die Bühne ist mein Sandkasten." Doch auch damit ist leicht zu viel verraten, schließlich ist sein Umgang mit Sprache eines seiner unverwechselbaren Markenzeichen. Nun, wir versuchen es!

Angefangen hat der zweite Sohn eines Installateurs seine Laufbahn im Hotelgewerbe, aber das entpuppte sich als Irrweg: "Leuten den Stuhl unter den Hintern schieben und Forellen vorlegen war nun eigentlich keine Variante in meinen Zukunftsvisionen." Lehr- und Wanderjahre nennt er die folgenden Jahre, in denen er seine Unschuld angeblich in einem Puff und sein Herz an eine Spionin verlor, ein paar Semester studierte und nebenher sein Ziel verfolgte, den Rhythmus anzugeben. Und dann kam Tempo in die Sache! Eben hatte er noch im Hintergrund gehockt, plötzlich rotierte er im Scheinwerferlicht. Er hatte diese eine Marktlücke entdeckt. Doch dass er sie Jahrzehnte ausfüllen würde, das hätte er wohl selber nie geglaubt. Wie auch, eher hätte man ihm einen frühen Tod prophezeit, in seiner Branche nicht unüblich, da man das exzessive Leben liebt: "Ständig unterwegs, ist egal wohin. Mein Zuhause ist da, wo ich gerade bin." Einmal überlebte er sagenhafte 4,7 Promille im Blut. Sein Ururgroßvater sei Sizilianer gewesen, hat er mal erzählt. Und dass dessen Temperament hin und wieder durchschlage: "…da spring ich schon mal aufs Klavier und tanze."

Im Grunde ist er wohl ein Einzelgänger mit Talent zur Freundschaft. Nur den einen Menschen, den hat er nie gefunden, denn "die Liebe ist nichts für mich", zu groß sei die "Angst, dass ich die anderen nicht glücklich machen kann. Und sie verliere." Aber wenn man eine Art Ikone geworden ist – sein Heimatort hat einen Platz nach ihm benannt -, ist eine intime Ausschließlichkeitsbeziehung vielleicht auch kaum zu leben: "Die ganze Nacht wegen Liebeskummer wach liegen? Geht nicht mehr, nicht in meinem Beruf." Immerhin hat er, wie die meisten großen Künstler, seine Gefühlsdramen als Inspirationsquelle nutzen können und daraus seine wohl schönsten Werke geschmiedet. So ist er zwar einerseits ständig in der Öffentlichkeit, zieht sich aber andererseits bei Bedarf ins Private zurück, denn: "Irgendwann weißt du nicht mehr, ist das noch die Rolle oder war ich schon immer so?" Übrigens teilt er mit dem derzeit aktuellen Superstar eine Vorliebe für ein ganz bestimmtes Kleidungsstück. Und das wird in einem Dorf produziert, das tatsächlich seinen Namen trägt. Wer ist’s?

Lösung aus Nr. 21:
Der "blinde Löwe von Venedig", Enrico Dandolo (1107 bis 1205), war zunächst in den Handelsgeschäften der Familie tätig. Mehrere, auch offizielle Missionen führten ihn nach Konstantinopel. 1192 wurde er zum 41. Dogen gewählt. 1201 ersuchte eine Gruppe Kreuzritter die Unterstützung Venedigs für den Truppentransport zu dem geplanten Vierten Kreuzzug ins Heilige Land. Als die Kreuzritter den Vertrag mit Venedig nicht erfüllen konnten, bediente sich Dandolo des Heers zur Unterwerfung Zaras in Dalmatien. Beim zweiten Umweg, bei dem Konstantinopel erobert und geplündert wurde, waren seine Ortskenntnisse unverzichtbar, auch griff er aktiv ins Kampfgeschehen ein. Er starb, nachdem er den neuen Kaiser aus bulgarischer Gefangenschaft zu befreien versucht hatte