Den Rat, Schnittblumen immer schräg anzuschneiden, bevor man sie in die Vase stellt, findet man auf vielen Internetseiten mit Haushaltstipps. Argumentiert wird meistens so: Durch den schrägen Schnitt werde die Fläche größer, über welche die Stängel Wasser und Nährstoffe aufnehmen, und die Blume halte daher länger.

Das sei Unsinn, sagt Sarka Spinarova vom Fachgebiet Zierpflanzenbau der Forschungsanstalt Geisenheim . "Die Zahl der offen gelegten Kanäle, mit denen die Pflanze Wasser aufnehmen kann, ist beim schrägen Schnitt exakt dieselbe wie beim geraden." Der Tipp habe einen ganz anderen Hintergrund: Wenn man harte, holzige Stiele schräg mit dem Messer schneidet, dann erfordere das weniger Kraftaufwand als beim geraden Schnitt – ein Argument insbesondere für zart gebaute Floristinnen. Daher kommt wohl auch diese Variante des Tipps, den man manchmal lesen kann: Harte Stängel schräg abschneiden, weiche Stängel gerade.

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Für die Haltbarkeit ist das aber alles unwichtig. Auch das Argument, gerade abgeschnittene Blumen würden flach auf dem Vasenboden stehen und so die Kanäle blockieren, lässt die Blumenforscherin nicht gelten, so exakt stünde keine Blume auf dem Boden auf. Wichtig sei hingegen, ein möglichst scharfes Messer oder eine Spezialschere zu verwenden, damit die feinen Adern nicht gequetscht werden. Dabei sollte man mindestens drei Zentimeter abschneiden und dann die Blumen schnell in die Vase stellen, damit keine Luft in die Pflanzenkanäle eintritt.

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