Haben Sie Alkohol dabei, Madame?" fragt der Polizist an der Absperrung zum Pariser Marsfeld. Auf eine Taschenkontrolle verzichtet er, wenn man nicht zu sehr nach Generation Facebook aussieht.

In dem weltweiten Onlinenetzwerk Facebook rufen französische Gruppen seit einiger Zeit zu "Apéros géants" auf, zu riesigen Versammlungen unter freiem Himmel, deren Ziel es ist, gemeinsam ein Gläschen zu nehmen. Oder auch zwei oder zwölf. Die zwölf Gläschen haben einen Teilnehmer in Nantes vor knapp zwei Wochen das Leben gekostet, als er betrunken von einem Brückengeländer stürzte.

Seither sind die Apéros in Frankreich ein Politikum. An die sechzig dieser Treffen gab es bereits, Rechtsradikale wollen demnächst einen Apéro mit Wein und Wurst veranstalten – direkt vor einer Moschee.

Der Innenminister kann oder will die Partys nicht kategorisch verbieten, aber er hätte gern, dass sie als ordentliche, angemeldete Veranstaltungen mit einem Verantwortlichen und den dazugehörigen Sicherheitsvorkehrungen stattfinden. Was offensichtlich der spontanen Idee den Spaß nimmt.

Für den vergangenen Sonntag jedenfalls wurde über Facebook zum größten Apéro Frankreichs aufgerufen, 50.000 Teilnehmer waren angepeilt. Gekommen sind nicht mehr Leute, als sonst um diese Uhrzeit ohnehin auf der großen Wiese vor dem Eiffelturm lagern. Dazu allerdings noch eine Hundertschaft Polizisten, diverse Aufpasser der Bürgermeisterei, freiwillige Sicherheitskräfte, ein halbes Dutzend Kamerateams sowie die Initiative "Fêtez clairs", die zeigen will, dass man auch ohne Alkohol und Drogen feiern kann und die zu diesem Zweck 2400 Liter Wasser mit Fruchtsirup verteilt.

Die Siruptruppe wurde vom Bürgermeister eingeladen, eher zum Unmut der Polizeipräfektur, die jede Art von Versammlung verhindern wollte. Der Alkoholkonsum auf dem Marsfeld ist in den Abend- und Nachtstunden bereits seit dem Sommer vor zwei Jahren untersagt, nun wurde das Verbot noch schnell auf den Tag ausgeweitet. Zudem darf man in dem abgesperrten Bereich keine Glasbehälter mehr bei sich haben.

In den Müllsäcken neben den Zugängen zum Marsfeld sammeln sich bereits die ersten Bier- und Weinflaschen. Nicht einmal der kleine Kiosk hier darf Bier verkaufen. "Sonst reißt uns die Polizei den Kopf ab", sagt der Besitzer.