Cameron tut es, Berlusconi tut es. Sogar Zapatero und Papandreou tun es. In Großbritannien, Italien, Spanien und in Griechenland, überall in Europa werden harte Sparprogramme verkündet und jene Gruppen benannt, die Opfer zu bringen haben.

Faymann und Pröll hingegen tun es nicht. Sie zögern das Unvermeidliche hinaus. Obwohl doch alle wissen, was kommen wird. Da wird getrickst: Die eine Partei fordert etwas – Steuererhöhung hier, Leistungskürzung dort. Die andere Partei kündigt daraufhin ihr Veto an und schlägt nun ihrerseits Maßnahmen vor, die mit dem Koalitionspartner nicht abgestimmt sind. Es ist ein Tanz um das goldene Kalb des Populismus. Unpopuläres soll gefälligst die andere Partei zu verantworten haben. Jeder will nur für die Annehmlichkeiten zuständig sein.

Dazu benötigt Österreich aber keine Regierung. Dieses Spiel beherrschen im Zweifelsfall Oppositionsparteien ohnehin besser. Was von einer Regierung erwartet wird, ist der Mut zu Unpopulärem. Dass Mumm letztendlich auch belohnt werden kann, zeigte der ursprünglich keineswegs populäre Entschluss einer Großen Koalition, Österreich in die EU zu führen.

Alle haben begriffen, dass es nicht gut um den Staatshaushalt steht; auch, dass etwas getan werden muss, das über die unverbindliche Standardforderung, jene zur Kasse zu bitten, die diese Krise verursacht haben, hinausgeht. Mehr und Bitteres wird kommen müssen, das kann als allseits akzeptiertes Faktum vorausgesetzt werden.

Stattdessen lassen die Entscheidungsträger lediglich Leerformeln verlauten, etwa mit der Ankündigung, endlich in der Verwaltung zu sparen. Im gleichen Atemzug räumt die ÖVP ihrer Gewerkschaft ein Vetorecht bei jeder Schulreform ein. Und die SPÖ bestreitet mit dem teuren, verfassungsrechtlich bedenklichen und insgesamt unsinnigen Bundesheereinsatz im Burgenland gleich einen ganzen, nicht einmal erfolgreichen Wahlkampf

Gelegentlich zeigen die Regierungsparteien gegen etablierten Vetomächte Stärke – gegen die der jeweils anderen Seite. Die ÖVP legt sich gerne mit den Eisenbahnern an und die SPÖ mit "den Reichen" (wer immer das sein soll). Nur mit den Vetomächten in den eigenen Reihen will man nicht in Konflikt geraten. So tapfer sind unsere Regierungsparteien.

Und doch könnte es die große Stunde einer in diesem Fall endlich wieder tatsächlich Großen Koalition sein. Ein Regierungsbündnis befindet sich dann auf Erfolgskurs, wenn es Entscheidungsfähigkeit beweist. Zum wichtigsten Instrument einer Koalition zählt die Technik des Junktims. Die SPÖ könnte auf die sogenannte Hackler-Regelung verzichten, die ja in erster Linie nicht den Schwerarbeitern, für die sie gedacht war, zugute kommt. Sie könnte in die Erhöhung der Mineralölsteuer einwilligen und als Zeichen guten Willens zustimmen, dass die Millionen für einen militärischen Grenzeinsatz an einer offenen Grenze eingespart werden. Die ÖVP müsste analog dazu die aberwitzige Reformverweigerung der Gewerkschaft des öffentliches Dienstes, die von ihren Funktionären dominiert wird, durchbrechen und ernsthaft über die Besteuerung großer Vermögen nachdenken.