Was Michael Dick brauchte, ist eine Glaskugel, die ihm die Zukunft zeigt. Was er hat, ist eine Glasvitrine, in der steht, was in der Vergangenheit funktioniert hat – und was nicht.

Michael Dick, 58, ist seit 2007 Entwicklungsvorstand bei Audi, und die Schätze im Schrank seines Büros erzählen auch etwas über ihn. Über die Leidenschaften eines Mannes, der aus einem Unternehmen für hochklassige Spritschlucker einen Pionier für emissionsfreies Fahren machen soll. "Das hier ist ein Porsche 917, unter Piëchs Ära entstanden. Und hier, ein Lola-Aston Martin, der ist letztes Jahr so in Le Mans angetreten."

Der Mann mit den kurzen grauen Haaren und einer Krawatte mit VW-Käfer-Aufdruck zeigt auf ein Auto in Hellblau-Orange. Es ist seine Lieblingslackierung, unten vor der Tür steht ein Audi TT in diesen Tönen, eine Fingerübung der Designer, extra für ihn gemacht.

Dick liebt schnelle Autos, und er muss dafür sorgen, dass die Fahrzeuge von Audi auch in Zukunft zur sportlichen Spitzenklasse gehören. Obwohl noch nicht klar ist, wie sie angetrieben werden. Denn die Autobranche ist im Umbruch.

Eigentlich funktionieren Autos mit konventionellen Antrieben ganz gut. Sie sind schnell, immer öfter auch sparsam im Verbrauch, und sie könnten vermutlich so getrimmt werden, dass sie die EU-Vorgaben in Sachen CO₂-Ausstoß erfüllen. Doch die weltweite Rohölförderung wird um das Jahr 2020 ihr Maximum erreichen. Den Autos geht langsam der verfügbare Kraftstoff aus.

Darauf haben sich die deutschen Autobauer bislang nur zögernd eingestellt, sodass sich die Bundesregierung veranlasst fühlte, eine "Nationale Plattform Elektromobilität" ins Leben zu rufen. 2020, so das Ziel, sollen hierzulande eine Million Elektroautos fahren – vor allem aus deutscher Produktion. Kampflos wollen die Autobauer den Markt den Franzosen, Chinesen und Japanern jedenfalls nicht überlassen. Die Antriebe der Zukunft sind nun Chefsache. Politisch und firmenintern.

Michael Dick muss die Elektrifizierung bei Audi stemmen – und er leitet innerhalb der Kanzlerin-Initiative die Arbeitsgruppe, die sich mit Normierung beschäftigt.

Früher ging es darum, Autos schneller zu machen, die Karosserie schnittiger, die Innenausstattung edler. Heute scheint nur eines sicher: Die Zukunft fährt mit Strom. Doch zumindest für eine längere Übergangszeit wird es Hybridfahrzeuge geben, außerdem Biosprit und Erdgas. Und auch die Brennstoffzelle, in der über eine Reaktion von Wasserstoff und Sauerstoff Energie erzeugt wird, ist noch nicht tot. In solch unsicherem Gelände muss Dick den Überblick behalten und sich für den richtigen Weg entscheiden. Dabei muss der Chefentwickler auch ganz persönlich eine neue Richtung einschlagen.