Dass ich den Škoda Superb Kombi testen durfte, kam so. Ich ging zu einem Redaktionsfest. Die Kollegin, die diese Rubrik betreut, war umlagert wie keine zweite. Redakteure riefen: "Gib uns Test-Maseratis! Porsches! Nein, Ferraris!" Ich sagte: "Gib mir einfach irgendwas. A working class hero is something to be." Vier Wochen später hatte ich den Škoda.

Der Wagen fährt sich echt gut, der zieht und macht auch auf den hinterletzten Feldwegen in der Uckermark nicht schlapp. Er hat alles und noch viel mehr, zum Beispiel ein Brillenfach, ein Regenschirmfach, einen Regensensor, Fußstützen und so einen süßen kleinen Bildschirm für die Menschen im Heck, ehrlich, ich habe noch nie in einem so üppig mit netten Details ausgestatteten und flott dahinbrausenden Auto gesessen. Moment mal, sind das da unten nicht sogar echte Ledersitze? Und das Auto ist, verglichen mit der Konkurrenz, nicht einmal teuer. Das einzige Problem ist, dass man natürlich die ganze Zeit denkt: "Dieses Auto ist super und nicht einmal teuer." Man denkt nicht: "Alle beneiden mich. Ich habe Molch-Meyersohn, den Kretin, aus dem Vorstand der Vereinigten Glasfaserwerke gemobbt und zwanzig Jahre lang Steine geklopft – nun, für dieses Auto hat sich die Mühe wirklich gelohnt." Das ist kein Auto für Menschen, die ein Image benötigen oder von ihrem Auto sexuell erregt werden möchten. Aber falls man bereits ein Image hat und erregt ist, dann kann man den Škoda für alles Übrige bestens verwenden. Dies alles dachte ich in der ersten Woche.

Die Autotests aus dem ZEITmagazin © Zeit Online

In der zweiten Woche konnte ich immer noch nicht mit dem Touchscreen umgehen, der ungefähr 50 verschiedene Funktionen hat, und diese vielen Knöpfchen, die überall im Auto verteilt sind und alle zu etwas sehr wahrscheinlich Sinnvollem gut sind, haben mich nur noch deprimiert. Das Auto kam mir so kompliziert vor wie das deutsche Steuersystem. Müsste ein praktisches Auto nicht im Grunde total praktisch sein? Dieses Auto soll nicht die Mitmenschen beeindrucken, sondern seinen Fahrer. Das Auto ist ja ein Angeber! Es sagt andauernd: "Schau mal, wie viel ich dir für vergleichsweise wenig Geld zu bieten habe, dies, dies, und jenes Knöpfchen auch noch."

Richtige Spitzenprodukte sind fast immer ganz einfach zu bedienen, zum Beispiel Apple-Computer, dachte ich. Das ideale Auto wäre ein Škoda, der so einfach und klar daherkommt wie ein Apple-Computer. Aber einfach und klar zu sein ist eben ein Luxus, wahrscheinlich der größte Luxus überhaupt.

Technische Daten

Motorbauart: 4-Zylinder-Dieselmotor
Leistung: 103 kW (145 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 10,3 s
Höchstgeschwindigkeit: 205 km/h
CO2-Emission: 145 g/km
Durchschnittsverbrauch: 5,5 Liter
Basispreis: 26850 Euro