Schon der Anfang dieser Serie war bedenklich. Da hockt der Rancher John Cannon mit seiner Kleinfamilie in den Hügeln von Arizona und sieht zu, wie drunten im Tal ein Siedleranwesen von den Apachen niedergebrannt wird. Eingreifen? Zu gefährlich. "Big John" knirscht ein bisschen mit den Zähnen, sammelt dann seine Lieben ein – und tritt den Rückzug an.

John Wayne hätte so was nicht gemacht. Allerdings war die goldene Zeit des Westerns auch schon vorüber, als High Chaparral Ende der sechziger Jahre ins deutsche Fernsehen kam. Bei uns liefen die ersten 46 Folgen der Serie werktags im Abendprogramm, und wir Kinder fanden es damals sehr cool, mitgucken zu dürfen. David Dortort, der Mann, der uns Bonanza geschenkt hatte, zielte hier auf ein erwachseneres Publikum. Diese neue Serie hatte etwas Unordentliches und Rüdes; uns kam sie auf eine sehr befriedigende Weise "ethisch desorientierend" vor.

Eigentlich ist es eine klassische Geschichte. High Chaparral (Verleih Kinowelt) erzählt von der Gründung eines dieser amerikanischen Beef-Imperien – "gutes Fleisch für hungrige Menschen", "wo auch immer diese Kühe hingehen, sie werden auf meinem Land sein" – der eine oder andere mag das aus Red River kennen. Aber das Personal ist wirklich ziemlich kaputt. Big John, gespielt von Leif Erickson, hat den Machismo, die Bigotterie und den autoritären Charakter des Pioniers in Reinform ausgebildet. Sein Bruder Buck (Cameron Mitchell): lustvoll in einem Trinker- und Schwätzer-Nirvana angesiedelt. "Blue", der Sohn: immer am Rand der Tränen, meist sogar mit Grund. Während umgekehrt der angeheiratete Manolito das Grinsen selbst in der melodramatischsten Episode nicht aus dem Gesicht kriegt. Die adrette Mutter wird schon im Pilotfilm erschossen, damit Big John eine politisch motivierte Ehe mit einer jüngeren Grundbesitzertochter schließen kann; Mexikaner und American natives drängeln sich ins Bild, um High Chaparral zur ersten multikulturellen Westernserie zu machen, und es wird mit einem fürs zeitgenössische Fernsehen untypischen Nachdruck massakriert.

Die Produktion hatte sich schließlich sogar rausgetraut aus dem Studiogelände, das anderen Westernshows oft einen lächerlichen Look gab – stand dieser Busch letzten Sonntag nicht noch an der Nordweide? –, und ihre Kameras in den Sand von Arizona, in das hüfthohe, immergrüne Chaparral gesetzt, das der Ranch den Namen gibt. Die Plots mögen manchmal ausfransen, doch die Serie findet emblematische Bilder – stürzende Pferde aus Untersicht, beinahe abstrakte Kompositionen aus horizontalen Zäunen und vertikalen Kakteen, Landschaftstotalen, die im fast quadratischen Fernsehformat etwas merkwürdig Stilisiertes annehmen. Dazu der epische Titelsong von David Dortort und David Rose (auch er ein Bonanza-Veteran), der von flammenden Wüsten und rauen Bergen zu berichten weiß: ein echtes Stück TV-Geschichte.