Heute möchte ich Ihnen einen meiner imaginären Bekannten vorstellen: Christopher Bang von der All-Time High Financial Advisory Group. Chris ist ein gewissenloser Zyniker, kümmert sich nicht um Political Correctness und hat kein Problem damit, aus der Verfolgung von Minderheiten, dem Landminenhandel oder der Umweltverschmutzung Profit zu schlagen. Anders gesagt, Chris ist ein klassischer Spekulant. Er hat wenige Freunde, aber viel Geld.

Chris weiß, dass die meisten Menschen ein Problem mit Zahlen haben. Und dass sie sich irgendwann an alles gewöhnen – auch an schlechte Nachrichten. Das lässt sich zu Geld machen. Etwa bei der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko . Wie viele Millionen Liter Öl laufen doch gleich jeden Tag ins Meer? Zwei? Drei? Neun? Und wie viele Ideen hatte BP, um das Loch zu stopfen? Zwei? Vier? Sechs? Die immer neuen Negativmeldungen, wie nun wieder bei der Operation Top Kill , nutzen sich ab. Haften bleibt nur ein vager Mix: Es strömt wahnsinnig viel Öl ins Meer – und BP kann das Loch nicht stopfen.

Je mehr ähnliche Nachrichten kommen, desto weniger Aufmerksamkeit schenken wir ihnen. Die nächste Meldung, die mehr beachtet wird, dürfte daher eine positive sein: Das Loch ist zu! Welche Erleichterung dies für BP wäre. Schließlich hieße das auch, dass es nicht mehr schlimmer wird. Eines Tages wird es wohl so kommen. Und dann stehen die Chancen gut, dass auch der Aktienkurs wieder steigt. Immerhin ist er seit der Explosion der Bohrplattform Deepwater Horizon um gut 25 Prozent gesunken .

Chris würde in diesen Tagen vermutlich BP-Aktien kaufen. Das ist ein hohes Risiko, könnte sich aber lohnen. Obwohl ich verstehen kann, wenn Sie sich darüber aufregen. Es ist unmoralisch, angesichts dieser Ölkatastrophe auch noch ans Geld zu denken. Ich werde es Chris ausrichten. Fahren Sie derweil doch mit Ihrem SUV ins Grüne und genießen die Natur. Und tanken Sie vorher noch mal voll.