Werden deutsche Söldner bald in Somalia kämpfen? Medienberichte der letzten Wochen erinnern an Geschichten von marodierenden Horden im Dreißigjährigen Krieg. Bundestagsabgeordnete kritisieren empört die – durchaus zweifelhafte – Ankündigung eines deutschen Sicherheitsunternehmens, mehr als hundert ehemalige Bundeswehrsoldaten in die Dienste eines somalischen Politikers stellen zu wollen.

Derlei Aufschreie sind selten in Deutschland. Wird ein deutscher Ex-Soldat im Dienst einer amerikanischen Sicherheitsfirma im Irak bei einem Anschlag getötet, wie am 25. Juni 2007 geschehen, gibt es gewöhnlich keinen Protest an der Heimatfront. Meist wird der Tod von Söldnern gar nicht publik. Ihre Namen stehen auf keiner offiziellen Verlustliste. Politische Kollateralschäden wie bei den Karfreitagsgefallenen der Bundeswehr in Afghanistan sind kaum zu befürchten.

Eben dies ist eines der Hauptverkaufsargumente der expandierenden Sicherheitsbranche. Der Einsatz ihrer Mitarbeiter gilt als praktisch: Sie werden von westlichen Regierungen engagiert, wenn die mehr Truppen entsenden möchten, als ihnen in ihren nationalen Armeen zur Verfügung stehen; sie werden gerufen, wenn westliche Regierungen den Einsatz von militärischer Gewalt der Parlamentskontrolle entziehen wollen; wenn sie dort intervenieren möchten, wo sie es nach dem Völkerrecht nicht dürfen; wenn sie verbündete Regime oder Gruppen im Kampf gegen interne Gegner unterstützen wollen; oder wenn sie ökonomische Interessen militärisch absichern möchten, ohne dass dabei offiziell Streitkräfte eingesetzt werden.

Mit dieser Produktpalette machen die Sicherheitsunternehmen des Westens seit Jahren Werbung. Mit großem Erfolg: Auf etwa 300 Milliarden Dollar wird ihr jährlicher Umsatz geschätzt. Bereits Präsident Bill Clinton ließ im jugoslawischen Bürgerkrieg private Militärberater aus den USA die kroatischen Streitkräfte im Kampf gegen serbische Truppen ausbilden – ein Auftrag, der den Krieg zugunsten Kroatiens entscheiden half. Im Irak sind private Sicherheitsunternehmen nach Angaben des Congressional Research Service für rund die Hälfte der Aufbauoperationen des Pentagons zuständig. Ihr massiver Einsatz ermöglicht dem Weißen Haus auch dann Feldzüge, wenn es keine oder nur geringe Unterstützung von Verbündeten erhält. In den USA gelten die Interventionen in Afghanistan und im Irak als die ersten contractors’ wars . In Washington ist längst von einer Privatisierung der Außen- und Sicherheitspolitik die Rede.

Hierdurch entstehen Abhängigkeiten, die das staatliche Gewaltmonopol infrage stellen: Erst Mitte März wurde der Fall eines Pentagonbeamten bekannt, der unter dem Deckmantel eines Programms zur Informationsbeschaffung ein Netzwerk von Agenten privater Sicherheitsfirmen aufgebaut hatte. Sie waren in Afghanistan und Pakistan behilflich, mutmaßliche Terroristen und Talibanführer aufzuspüren und zu töten.

Ein anderer Fall chilenischer Söldner zeigt, wie allmählich die politische Selbstbestimmung souveräner Staaten in Fragen von Krieg und Frieden unterlaufen wird. Als nicht ständiges Mitglied im UN-Sicherheitsrat hatte Chile 2003 gegen den Irakkrieg votiert. Dennoch wurden fast tausend ehemalige Angehörige chilenischer Kommandoeinheiten von dem amerikanischen Sicherheitsunternehmen Blackwater für den Einsatz angeworben. Auch deutsche Ex-Soldaten folgten dem Ruf nach Bagdad – trotz des Berliner Neins zum amerikanischen Einmarsch im Irak. Und trotz des Söldnerparagrafen (§ 109h) im Strafgesetzbuch: Danach begeht derjenige eine Straftat gegen die Landesverteidigung, der "zugunsten einer ausländischen Macht einen Deutschen zum Wehrdienst in einer militärischen oder militärähnlichen Einrichtung anwirbt oder ihren Werbern oder dem Wehrdienst einer solchen Einrichtung zuführt". Der Einsatz der Söldner selbst ist hingegen nicht verboten.

Ironie der Geschichte: Während den regulären Soldaten der amerikanischen und europäischen Armeen in ihren heutigen Feldhandbüchern nahegebracht werden soll, wie sie als bewaffnete Wiederaufbauhelfer andere Nationen befrieden können, wird die eigentliche Aufgabe des Militärs, der Schutz und die Sicherung von Personen und Einrichtungen, zunehmend an private Sicherheitsfirmen delegiert – zumal bei Einsätzen, die militärisch als extrem risikoreich oder politisch als besonders heikel gelten. Doch neue Staaten aufbauen zu wollen, indem ihre innere wie äußere Sicherheit entstaatlicht wird, ist ein Widerspruch in sich.