Zum Interview bringt der Minister eine dicke Dokumentenmappe mit. "My ash files", sagt Peter Ramsauer, eine Anspielung auf die TV-Serie "The X-Files", in der zwei FBI-Agenten mysteriöse Fälle aufklären. Das gab es noch nie: Eine isländische Aschewolke legt den europäischen Luftraum lahm, Hunderttausende Urlauber sitzen fest, Fluglinien beklagen Milliardenausfälle, und mittendrin ein Verkehrsminister, der sich abwechselnd als Panikmacher und Hasardeur beschimpfen lassen muss.

ZEIT ONLINE: Herr Minister, wo ist die Wolke gerade?

Peter Ramsauer: Ich kann Sie beruhigen: Die nächste Zeit ist aschefrei.

ZEIT ONLINE: Schauen Sie jetzt anders in den Himmel als früher?

Ramsauer: Man sieht da oben ja nichts. Und trotzdem ist etwas in der Luft. Mir hat diese Wolke die intensivsten Tage meines politischen Lebens beschert. An einem der ersten Tage ruft mich ein Airline-Chef zu Hause an und beschimpft mich, was das mit dem Flugverbot solle. Von Flensburg bis Berchtesgaden blauer Himmel!, sagt er. Ich habe ihm gesagt: Das sehe ich. Auch über dem Watzmann scheint die Sonne. Und dennoch bleiben Ihre Flugzeuge unten - weil die Luft mit Vulkanaschepartikeln verschmutzt ist.

ZEIT ONLINE: Wer hat angerufen?

Ramsauer: Die haben alle angerufen. Alle. Ich habe das dokumentiert, mit Uhrzeiten!

Ramsauer wühlt in seiner Mappe. Man sieht: Satellitenbilder, handschriftliche Notizen, Skizzen, viele Pfeile und Ausrufezeichen.

ZEIT ONLINE: Warum steht auf Ihrer Mappe "Volcanic Ash" und nicht "Vulkanasche"?

Ramsauer: Weil ich die ganzen Unterlagen auf Englisch bekommen habe. Das geht im Luftfahrtbereich ja alles auf Englisch. Irgendwann denkt man selbst nur noch auf Englisch.