Fort Madison war die erste Festung der U.S. Army am oberen Mississippi. Als Soldaten es 1808 errichteten, verfolgten die Indianer das Ganze vom Wasser aus. "Die Soldaten waren fleißig dabei, Holz zu fällen, und ich beobachtete, dass sie ihre Waffen mitnahmen, wenn sie in den Wald gingen", schrieb Häuptling Black Hawk in seinen Erinnerungen.

Die Indianer griffen das Fort immer wieder an. Im Spätsommer 1813 gaben die Soldaten auf, zündeten das Fort an und flohen in Booten. "Mit Freude sahen wir, dass sich die weißen Leute von dem Land zurückgezogen hatten", schrieb Black Hawk. Aber die Weißen kamen wieder, und an der Stelle, wo die Festung gestanden hatte, wuchs eine Stadt heran.

Heute hat Fort Madison 11.000 Einwohner, die meisten leben in Holzhäuschen mit Veranda und Vorgarten. Dazu kommen 950 Schwerverbrecher im Hochsicherheitsgefängnis des Bundesstaates Iowa. Einige Häftlinge haben in den achtziger Jahren das Fort nachgebaut, seither kommen auch Touristen. Wenn sie mit dem Auto über die Mississippi-Brücke anreisen, müssen sie Fort Madison für eine sterbende Stadt halten. Ein riesiges Fabrikgelände liegt da brach. Mit 500 Beschäftigten war das Gefängnis bis vor Kurzem der größte Arbeitgeber.

Jetzt ist es Siemens.

Vor drei Jahren kam der Konzern nach Fort Madison und errichtete eine Fabrik für Rotorblätter, wie sie für Windkraftanlagen benötigt werden. Das Geschäft boomt. Siemens zieht neue Hallen hoch und stellt laufend Leute ein. Auf 600 Frauen und Männer soll die Belegschaft dieses Jahr anwachsen, die ganze Stadt profitiert von den deutschen Investoren. "Sie sind von Gott gesandt", sagt der Heimatkundler Ric Roclau. Er hat deutsche Vorfahren, wie viele in der Gegend und in der Siemens-Fabrik.

Selissa Weber, klein, stämmig, kurze Haare, leitet ein Team von drei Frauen und drei Männern, die Glasfasermatten für die Windflügel aufbringen. Die Arbeiter richten sich nach Anweisungen, die in der Halle hängen. Die Vorgaben stammen aus Brande in Dänemark, dort ist die Zentrale der Siemens-Windkraftsparte. Früher hat Selissa Weber für einen Autozulieferer gearbeitet. "Mein Bruder hat mir geraten, mich hier zu bewerben. Siemens sei eine großartige Firma. Er selbst arbeitet für BMW in Spartanburg." Wie alle Arbeiter wird Weber nach Stunden bezahlt, der Durchschnittslohn beträgt 17 Dollar.

Warum hier? "Iowa liegt in der Mitte der Windstaaten von Amerika, ein Korridor, der von Texas im Süden bis zu den Dakotas reicht", erklärt der Fabrikleiter Robert Gjuray. Die Rotorblätter liefert Siemens umweltschonend mit der Eisenbahn aus – und zwar viel mehr als geplant, weil Barack Obama mit Konjunkturhilfen die Windkraft zur Boombranche gemacht hat. "Unser größtes Problem ist derzeit, das Wachstum zu bewältigen", sagt Gjuray.

Der Manager mit den schwarzen Haaren und dem dunklen Teint ist seit Sommer 2009 in Fort Madison. Die Aufbauarbeit hatte ein Däne geleistet, der das Gleiche gerade für Siemens in China wiederholt. Gjuray ist Amerikaner, aber in München geboren. Sein Vater war aus Albanien nach Deutschland geflohen und hatte für die U.S. Army gearbeitet. Als der Sohn zwei war, zog die Familie in die USA.