Nach zwei ausgedehnten Bildungsreisen, einer kurzen Ehe, unzähligen Amouren und intensiver Lektüre der Philosophen wusste der verschwenderische Spross einer reichen und hoch angesehenen Familie, was er wirklich wollte. In Gegenwart seines ehemaligen Hauslehrers, eines überzeugten Rousseau-Anhängers, schwor er an heiligem Ort, seine Heimat von einem Joch zu befreien, das seinen Clan allerdings nie bedrückt hatte. Zurückgekehrt, stellte er sich in den Dienst einer Unabhängigkeitsbewegung der Oberschicht. Seine militärischen Unternehmungen gerieten wenig glanzvoll, Niederlagen beschädigten sein strotzendes Selbstbewusstsein. Doch nach einem katastrophalen Erdbeben forderte er in den Ruinen seiner Heimatstadt die Natur selbst heraus: "Wenn sich die Natur gegen uns stellt, erklären wir ihr den Krieg und bringen sie dazu uns zu gehorchen." Zwar wehrte er sich gegen die Kapitulation der Unabhängigkeitsbewegung, lieferte aber ihren Anführer aus – ein hässlicher Fleck auf seiner Ehre.

In seinem ersten Exil entstand ein glänzend formuliertes politisches Manifest. Kritisch gegenüber den Rivalitäten in seiner sozialen Klasse, aber auch herablassend gegenüber dem "dummen Volk", entwarf er die Prinzipien eines zentralistischen Staats, der eher einer republikanischen Monarchie als einer Demokratie ähnelte. Dann führte er seine zusammengewürfelte Truppe kühn und schonungslos in einen "Krieg auf Leben und Tod". Den Sieg feierte er mit einem pompösen Triumphzug in seiner Heimatstadt. Sein Regime war diktatorisch, seine Megalomanie schreckte seine Weggefährten, und Aufstände von unten endeten in Gräueltaten.

Die übermächtige Rückkehr seiner Feinde zwang ihn wieder ins Exil. Aus der Ferne führte er eine rhetorisch brillante Schmeicheloffensive, mit der er Unterschichten und Rechtlose für sich gewinnen wollte. Ein mühseliger Feldzug mit einer verwegenen Truppe Viehhirten sicherte ihm endgültig den Sieg. Damit hatte er einem Weltreich den Todesstoß versetzt, aber mit seiner Vision einer umfassenden politischen Einigung scheiterte er. Überdies bedrohten Korruption, Separatismus, Raffgier und Machtgelüste ehemaliger Mitstreiter den Staat, dessen Präsident er geworden war. Er reagierte mit einer Ein-Mann-Diktatur, geplagt von Selbstzweifeln, denn eigentlich hielt er "militärischen Geist in einer zivilen Regierung für unerträglich". Unaufhaltsam sank sein Stern: Aus dem Amt gedrängt und in seiner Heimat geächtet, verkaufte er das Familiensilber und lebte "wie ein Elender" auf der Flucht in ein weiteres Exil. Am Ende seiner Kräfte zog er eine bittere Bilanz: Der Kontinent sei unregierbar und falle entweder in die Hand einer "entfesselten Masse" oder einer Handvoll kleiner Tyrannen, bis er schließlich in einem erbärmlichen Zustand ende. Die Ironie wollte, dass er im Haus eines Edelmannes starb, der seinen Vernichtungskrieg überlebt hatte. Wer war’s?

Lösung aus Nr. 22:
Udo Lindenberg (geb. 17. Mai 1946 im westfälischen Gronau) war nach einer abgebrochenen Lehre als Hotelpage und einigen Semestern an der Musikhochschule Münster Schlagzeuger in verschiedenen Bands. Mit deutschsprachiger Rockmusik glückte ihm 1973 der Durchbruch als Sänger und Komponist, seitdem hat er weit mehr als 30 Alben und CDs veröffentlicht. Mit "Stark wie zwei" gelang dem Musiker, der nach manchem Alkoholexzess von vielen schon abgeschrieben worden war, 2008 ein sensationelles Comeback. Lindenberg, auch gefeiert als "Maler von Likörellen", trägt als Erkennungszeichen Hüte, die im kleinen Ort Lindenberg im Allgäu produziert werden. Er lebt seit vielen Jahren in einer Suite im Hotel Atlantic an der Hamburger Außenalster