"Ein Titan hat uns verlassen – lass uns auf seinen Tod ein Glas Wodka trinken!" Dies waren die Worte des russischen Ex-Weltmeisters Boris Spassky, als er vom Tod seines Landsmanns Wassili Smyslow (1921 bis 2010) kurz nach dessen 89. Geburtstag erfuhr. Drei Mal hatte dieser in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts gegen Botwinnik um die WM gespielt und ihn dabei 1957 mit 12,5:9,5 Punkten besiegt. Fast so wie der unverwüstliche Viktor Kortschnoi war Smyslow ein lebendiges Beispiel dafür, dass auch im hohen Alter die Kreativität kaum eingeschränkt sein muss. Noch mit 63 Jahren konnte ihn auf dem Weg zur neuerlichen Weltmeisterschaft, nachdem er Robert Hübner und den Ungarn Zoltan Ribli ausgeschaltet hatte, erst Gary Kasparow stoppen; in seinen letzten Lebensjahren komponierte der beinahe völlig Erblindete Schachstudien, bei denen nur ein komplizierter, aber doch allzeit harmonischer und ästhetischer Weg zum Gewinn führt.

"Harmonie" war überhaupt das Zauberwort, das über seinem Leben stand. Im Schach wie in der Musik, seiner zweiten großen Leidenschaft. Bis zu seinem 80. Geburtstag gab der Bariton Konzerte – zu Karpows 50. Geburtstag 2001 sang er noch im Moskauer Bolschoi-Theater. "Mein Schachstil und meine musikalischen Vorlieben streben ein Ideal völliger Schönheit und Harmonie an, was für mich höchster Ausdruck der Spiritualität ist." Dies war sein Credo.

Mit welchem Opferreigen eroberte der 63-Jährige als Weißer im Kandidatenwettkampf zur WM 1984 gegen Ribli zwangsläufig die gegnerische Dame auf b2?

Lösung aus Nr. 22:
Mit welchem Überfall setzte Weiß am Zug den schwarzen König matt? Nach dem Damenopfer 1.Dxg7+! wurde der schwarze König magnetisch in Richtung weißes Lager gezwungen: 1...Kxg7 2.Tg3+ Kh6 3.Lc1+! Kh5 4.Ld1+ Kh4 5.Th3 matt. Auch 4...Lf3 5.Txf3 (droht 6.Th3 matt) Kg4 6.Tf4++ Kg5 7.h4+ Kh6 8.Tg4+ Kh5 9.Tge4 matt hätte das Ende nur hinausgezögert