Harald Schmidt war immer das Gegenteil von einem Hochstapler. Er wollte die großen Dinge gerne etwas kleiner. Er hat uns mit Playmobilfiguren den Hamlet erklärt. Er hat sich über große Dramen wie über Modelleisenbahnen gebeugt. Er hat sein bürgerliches Publikum vom Behauptungszwang erlöst, die Gegenstände bürgerlicher Bildung wirklich zu kennen. Er hat stets die Parodie für das Ganze und die Abkürzung für das Ziel erklärt. Doch nun versucht er etwas Großes und Ganzes – er spielt die Titelrolle in einem abendfüllenden Stück.

Das Stuttgarter Staatstheater zeigt Ben Jonsons Stück Volpone (1605) in einer aktuellen Fassung, die von dem Theaterdichter Soeren Voima stammt, einem eleganten Stilisten, in dessen Stücken ein idealisierter "hoher" Ton von einst und das leutselig seifige, peitschend verächtliche Sprechen von heute einen ergebnisoffenen Vernichtungskrieg gegeneinander führen.

Bei Soeren Voima sagt Harald Schmidt als Volpone: "Geld, meine liebe Frau Doktor, ist Gott. Und jedes meiner Scheinchen hier ein Heiligtum. Früher mag es Jesus gewesen sein. Oder auch Lenin meinethalben. Heute ist es das Geld. Alles andere hat sich ja auf unheimliche Weise als untereinander austauschbar erwiesen."

Alles andere – das sind wir, die Leute, das Volk.

Die Psychoanalyse hat auf den Zusammenhang zwischen Geld und Kot hingewiesen. Diese "Analität" des Geldes bewirkt, so behauptet Voima, dass die Menschen, die mit Geld in Berührung kommen, sich selbst ins Kotartige verwandeln: in einen ekligen, entseelten Rest ihrer selbst. Und so wird die Menschengesellschaft in Stuttgart auch gespielt – schmierig, grob, vulgär, aber mit bester Laune.

Volpone ist eine zum Schauspiel entwickelte Fabel. Die Fabel handelt vom schlauen Fuchs, der sich tot stellt, um Aasvögel anzulocken, die er dann frisst. Der Bühnen-Volpone tut dasselbe: Er behauptet, schwer krank zu sein, und verspricht allen Erbschleichern, er werde ihnen sein Vermögen hinterlassen, wenn sie ihn nur jetzt mit Geschenken überschütten. So saugt er sie aus.

In der Stuttgarter Version hat sich Volpone in eine Luxus-Kurklinik einweisen lassen. Es stellt sich heraus, dass die Klinik voll von Patienten ist, die Volpone, dem angeblich Schwerreichen, erbschleicherisch nahe sein wollen.