Der Flachbildschirm ist keine Handbreit stark. Doch die Häuserzüge, die Bäume, der Horizont auf dem Fernseher – all das scheint tief, tief im Raum zu liegen. Im Vordergrund hampelt eine Figur herum, schnellt nach vorne, scheinbar aus dem Fernseher heraus, dem Zuschauer entgegen. Es regnet Hamburger in dem Animationsfilm, es schneit Speiseeis, und ein Spaghettitornado wütet. Diese wirre Welt scheint sich förmlich von der Couch aus greifen zu lassen, 3-D eben.

Kino kommt ins Wohnzimmer, mit diesem Versprechen werden Fernseher verkauft, seit es sie gibt. Daher war seit den Kinofilmen Avatar und Alice im Wunderland, die uns in den vergangenen Monaten die Illusion der Raumtiefe brachten, absehbar: Bald würde es diese Technik auch für zu Hause geben. 3-D beherrscht die Unterhaltungselektronikmessen , die letzte Berliner Funkausstellung ebenso wie Anfang des Jahres die CES in Las Vegas.

Jetzt stehen die ersten 3-D-Geräte in den Läden, wird die Werbung dieses Kürzel zum Chiffre des Konsumbegehrens machen. 3-D. Der Konsument fragt sich also: Wie geht das? Soll man so etwas kaufen? Und vor allem: jetzt schon?

Zunächst einmal, 3-D an sich funktioniert auch zu Hause, und zwar erstaunlich gut. Aber eben nur mit besonderen Fernsehern und speziellen 3-D-Abspielern für das DVD-Nachfolgeformat Blu-Ray Disc. Seine erste Raumtiefe-Garnitur schickte Hersteller Sony uns in die Redaktion: einen Großfernseher mit dem kryptischen Namen Bravia KDL-46HX805, gespeist vom Blue-Ray-Spieler BDP-S570B. Ein neuer Knopf prangt auf der Fernbedienung, klar, mit der Aufschrift "3D". Der schaltet das Bild um: unscharf für normale Zuschauer – und raumtief für jeden, der eine klobige Sehhilfe trägt.

Wie im Kino sind nämlich auch beim Heim-3-D spezielle Brillen notwendig. Sie sorgen dafür, dass die leicht versetzt aufgenommenen Einzelbilder auch jeweils nur das linke oder rechte Auge erreichen, für das sie bestimmt sind, und so dem Gehirn vorgaukeln, es habe statt eines flachen Bildschirms einen tiefen Raum vor sich.

Beim RealD-System, das etwa für Avatar im Kino benutzt wurde, erledigen dies zwei simple Plastikfolien, die nur Licht mit der jeweils richtigen Schwingungsrichtung durchlassen ("Polarisationsfilter"). Anders bei den Modellen für zu Hause: 3-D-Fernseher schalten 120-mal in der Sekunde vom Links- aufs Rechtsbild um. Die Brillen dunkeln im selben Zeitraum jeweils 60-mal immer jenes Auge ab, für das ein Bild nicht bestimmt ist ("Shuttertechnik"). Dafür ist teure, batteriegespeiste Elektronik nötig. Und ein schummeriges Wohnzimmer: Wer durch die Brille auf eine helle Wand oder aus dem Fenster schaut, nimmt ein Flimmern wahr. Neigt man den Kopf zu stark zur Seite, wird das 3-D-Bild unscharf – das ist unangenehm für alle, die sich beim Heimkino gern gemütlich auf der Couch lümmeln. Außerdem schluckt das beständige Umschalten viel Helligkeit. 3-D ist deutlich dunkler als herkömmliches Fernsehen.