Vorerst ist mir die Natur heilig als "das Buch", in dem wir mit unserer von Gott geschenkten Intelligenz lesen können. Wir können dabei von der Schöpfung auf den Schöpfer schließen und sind zur Schöpfungsverantwortung aufgerufen. Eigentlich noch wichtiger ist "das Buch" ganz anderer Art, nämlich die Offenbarung an das auserwählte Volk der Juden und die Offenbarung in Jesus Christus mit der letzten Konsequenz der Kirche.

Als Achtjähriger wurde mir die Frage gestellt, was ich werden möchte. Meine Antwort: "Ich möchte Nachtwächter beim Heiligen Vater werden!" Sprachloses Erstaunen bei den fragenden Erwachsenen! Daraufhin zeigte ich ein Foto aus einer Illustrierten, wo am Abend in den Vatikanischen Gärten der Papst und ein Schweizer Gardist zu sehen waren. Groß war meine Enttäuschung, als man mir erklärte, dass ich kein Schweizer bin und keine Chance habe, so etwas zu werden.

Bei meiner späten Berufung im Alter von 33 Jahren zum Priester und Ordensmann war eines von mehreren Motiven Solidarität mit dem Heiligen Vater. Damals war es Papst Paul VI., der von allen Seiten heftigst und meiner Meinung nach unfair kritisiert wurde. Mein Standpunkt damals: Ich bin so links wie der Papst in der Entwicklungs-Enzyklika Populorum Progressio und so rechts wie der Papst in der Lebens-Enzyklika Humanae Vitae .

In den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ergab es sich, dass ich Joseph Kardinal Ratzinger persönlich kennenlernen konnte, und das ermöglichte mir 2006, den Papst nach Heiligenkreuz einzuladen. Natürlich hatte er vor allem das Stift Heiligenkreuz und unsere Hochschule besucht, aber irgendwie war es auch ein Besuch für mich. Mein "Papismus" wurde tatsächlich überreich belohnt. Auch die Worte, die er zu uns in Heiligenkreuz gesprochen hat, sind mir heilsam, heilend und heilig! "Die Mönche beten zuallererst nicht um dies oder jenes, sondern, sie beten einfach deshalb, weil Gott es wert ist, angebetet zu werden." Das hat uns natürlich gestärkt. Und ein anderes Wort hat uns Motivation gegeben, unser Chorgebet als CD auf den Markt zu werfen: "Ein Kloster, in dem sich die Gemeinschaft täglich mehrmals zum Gotteslob versammelt, bezeugt suchenden Menschen, dass ihre urmenschliche Sehnsucht nicht ins Leere geht."

Abt Gregor Henckel Donnersmarck , geboren 1943 in Breslau, studierte an der Hochschule für Welthandel in Wien. Nach einer Karriere als Manager in der Wirtschaft trat er 1977 in das Zisterzienserkloster Heiligenkreuz ein, studierte Theologie und wurde 1982 zum Priester geweiht. Seit 1999 steht er dem Kloster als Abt vor. Eben erschien im Residenz-Verlag sein Buch "ora @ labora. Über Gott und die Welt und das Paradies auf Erden"