Gerade mal einen Meter sechzig misst Mozzamal Abdul Bari, er ist ein schmaler Mann. Doch er bewegt tonnenschwere Güter aus allen Kontinenten. Das kurze, weißärmelige Hemd des Bengalen lässt die Haut noch dunkler erscheinen, zumal nur etwas Neonlicht seinen Arbeitsplatz erhellt. Der 38-Jährige schuftet am Flughafen von Dubai, in einem der größten und modernsten Frachtzentren der Welt. Die Zangen seines Gabelstaplers steuert der kleine Mann aus Bangladesch exakt unter eine Holzpalette und zieht sie vorsichtig aus einem roten Container. Darauf steht: Emirates.

Die Fluggesellschaft ist Baris Arbeitgeber.

An diesem Morgen sortiert Bari Güter, die gerade aus Melbourne eingeflogen wurden. Ein Großteil davon wird rund zwei Stunden später schon wieder in der Luft sein. Zum Beispiel ein Paket vom RCR Emergency Service aus der Howleys Road in Melbourne, das für die Firma Weishaupt in Wiesbaden bestimmt ist. Dreimal sechs Liter Ethanol müssen dringend in die Türkei, und oben auf der Holzpalette liegen zwei Koffer, deren Zieladresse Addis Abeba lautet. In Kartons lagert Alufolie, daneben stehen Glasscheiben.

Wer dem schüchternen Bari zusieht, bekommt ein Gefühl dafür, was unter einem globalen Drehkreuz zu verstehen ist. Pro Jahr verladen die Arbeiter hier 1,6 Millionen Tonnen Fracht. Bari und Hunderte seiner Kollegen sind Globalisierungsbeschleuniger. Und sie geben niemals Ruhe. Im Cargo Center wird immer verteilt, sortiert, gestapelt. 24 Stunden täglich, 7 Tage die Woche. Ohne Pause. Und jeden Monat ein bisschen mehr. Emirates wächst unaufhörlich.

Emirates gegen Lufthansa, das ist ein Wettstreit der Alten gegen die Neue Welt. Wo das Drehkreuz einer Fluglinie liegt, entscheidet über ihre Rolle im globalen Wettbewerb. Frankfurt ist da noch vorn, die Lufthansa mithin größer als Emirates, doch weil sich die Kräfteverhältnisse in der Weltwirtschaft nach Osten verschieben, wird die Fluglinie aus Dubai mit jedem Tag stärker. Große Kostenvorteile kommen hinzu – und so scheint es nur eine Frage weniger Jahre, bis Emirates die Lufthansa als globales Vorbild ablöst.

Nicht mehr wachsen zu können – das ist der Albtraum für jeden Lufthanseaten. Stillstand ist noch schlimmer. Von 2011 an droht er jede Nacht. Eine neue Landebahn wird zwar gebaut, doch den Preis dafür dürfte vor allem Lufthansa Cargo zahlen. Mit einem Flugverbot zwischen 23 Uhr und 5 Uhr sollen protestierende Anwohner beruhigt werden. Existenzgefährdend sei das, klagt Björn Becker, Leiter der Produktionssteuerung bei Lufthansa Cargo. Irgendwo wartet immer irgendwer auf Ware. Und wenn sie die Lufthansa nicht liefert, dann ganz sicher Emirates.

Wie eine ausgedörrte Wüstenblume das Wasser saugt Emirates die Passagier- und Güterströme der Welt auf. In Dubai steigen Pendler um, die sich von Asien auf den Weg in Richtung Europa, Amerika und Afrika machen. Hier übernachten Menschen auf der Reise vom Westen in die neuen Wachstumsmärkte: nach Singapur, Shanghai oder Bangalore. Mit Niedrigpreisen und Lockangeboten lenkt die Fluggesellschaft den Verkehr um. Bietet Flugreisenden zunehmend kostenlose Hotelzimmer an. Und sorgt so dafür, dass immer weniger Menschen in Frankfurt oder München umsteigen, sondern in DXB – Dubai.