DIE ZEIT: Herr Lahm, es sind noch wenige Tage bis zum Start der Weltmeisterschaft in Südafrika. Worauf kann sich Fußball-Deutschland freuen?

Philipp Lahm: Wenn wir die Gruppenphase überstehen, ist alles möglich.

ZEIT: Das ist eine ganz schlimme Floskel.

Lahm: Okay, dann wird Sie freuen, wenn ich noch hinzufüge: Wir sind eine Turniermannschaft.

ZEIT: Schrecklich!

Lahm: Wir streben das Halbfinale an, träumen aber von mehr. Zufrieden?

ZEIT: Wenn es so käme, gewiss!

Lahm: Das wird uns zusätzlicher Ansporn sein.

ZEIT: Wenn man Ihr Spielsystem betrachtet, hat man den Eindruck, dass es doch eine andere Art von Fußball ist, die Sie spielen, eher defensiv, nicht so stürmisch wie 2006. Obwohl Bundestrainer Löw ja damals auch für den Sturm-und-Drang-Fußball stand. Ist die Mannschaft erwachsener geworden?

Lahm: Sie hat sich entwickelt und ist vielleicht reifer geworden. 2006 hatten wir mit unserem Stil auch das nötige Quäntchen Glück. Denken Sie nur an das Elfmeterschießen gegen Argentinien oder das Gruppenspiel gegen Polen. Wir waren noch nie die spielerisch stärkste Mannschaft, deswegen müssen wir jetzt erst mal taktisch diszipliniert spielen. Wir haben eben eine Mannschaft, die gut verteidigen kann, die schwer zu schlagen ist. Und das wird auch bei dieser WM wieder so sein. Wir werden nicht auf Teufel komm raus nach vorn laufen, die Flucht nach vorn suchen, sondern wir müssen schauen, dass wir unser Spiel spielen können. Und das bedeutet, dass wir in der Verteidigung gut stehen und schnell unser Spiel nach vorn treiben. Genau darin liegen unsere Qualitäten.

ZEIT: Die deutsche Mannschaft wird auch wieder Glück brauchen …

Lahm: … dabei ist Glück im Fußball schwer zu definieren. Kein Pech zu haben ist ja auch eine Form von Glück. Es hängt immer zusammen damit, wie hart man arbeitet. Wenn man sich vorbereitet und hart arbeitet, hat man irgendwann das Glück auf seiner Seite.

ZEIT: Das Glück ist also wirklich mit dem Tüchtigen?

Lahm: Ja.

ZEIT: Kennen Sie schlechte Laune?

Lahm: Die habe ich natürlich auch manchmal.

ZEIT: Woran ist eine solche Phase zu erkennen?

Lahm: Da bin ich nicht sonderlich gesprächig.

ZEIT: Kann man mit schlechter Laune gut Fußball spielen?

Lahm: Nein.