Zur Mode wurde der Partnerlook in den Achtzigern. Der Partnerlook brachte Kleidung hervor, die, egal ob von Männern oder Frauen getragen, die Körpersilhouette seltsam verzerrte, Jacken mit riesigen Schulterpolstern und, noch schlimmer, einen Sack namens Bundfaltenhose.

Von diesen Modesünden abgesehen: Der Partnerlook verstand sich damals als politisches Signal. Er machte den Umbau der Rollen anschaulich. Bei dem ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler und seiner Frau Eva Luise steht er eher für die enge Symbiose, zu der dieses Paar gefunden hat. Sie sind seit vierzig Jahren verheiratet, gelten als unzertrennlich, ja, als ein Paar, dem es gelungen ist, über diesen langen Zeitraum Verliebtheit und Kameradschaft in Balance zu halten.

Wo Herr Köhler auftrat, war Frau Köhler im Bild. Nicht als Frau in seinem Schatten, sondern als der Mensch, durch dessen Anwesenheit sich seine erst rundete. Sie stand auch in unmittelbarer Nähe des Pultes, an dem Horst Köhler in der vergangenen Woche seinen Rücktritt erklärte. Und sie trug, was er trug, einen schwarzen Anzug, darunter ein weißes T-Shirt, das farblich mit seinem Hemd korrespondierte. Nach dem letzten Satz seiner kurzen Ansprache, "Es war mir eine Ehre, Deutschland als Präsident zu dienen", suchte Horst Köhler sofort den Blick seiner Frau, nahm ihre Hand, und sie verließen den Raum: im Partnerlook.

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Natürlich hatte diese Szene, menschlich betrachtet, etwas Rührendes. Aber gerade dadurch, durch die Betonung des Privaten, hatte sie auch etwas Problematisches, sogar Provokantes. Im gleichen Moment, in dem Horst Köhler der Nation erklärte, sich mit seinem Amt nicht mehr identifizieren zu können und zu wollen, führte er vor, zu welchem Grad der Identifizierung er als Ehe- und Privatmann fähig ist. Man kann auch sagen: Er demonstrierte, wie er Loyalität gewichtet. Die mit der eigenen Frau ist absolut, die mit dem Amt des Bundespräsidenten war es wohl eher nicht. So zeigt das Bild seines Abgangs, dass es in Horst Köhlers Verständnis davon, wie sich die Person und das Amt zueinander verhalten, tatsächlich einen ungeklärten Punkt gab.