Man hat in A-Rosa-Hotels, so gediegen sie sind, schon Überraschungen erlebt. In Kitzbühel beispielsweise erschien eine Polin mit Tahiti-Blume im Spa und bat den Gast, mit ihr vor der Lomi-Lomi-Nui-Massage ein Gebet zu sprechen. In Travemünde lagen auf dem abendlichen Buffet gegorene Früchte, die wohl vom Frühstück übrig geblieben waren. Darüber habe sich "noch niemand beschwert", tönte eine Angestellte. Klar, das alles ist ein Weilchen her, doch auf dem Weg zum neuen A-Rosa Grand Spa Resort auf Sylt schießen diese Erinnerungen unweigerlich ins Gedächtnis zurück. Und mit jedem Kilometer, den man sich der Insel nähert, wächst die Spannung: Wird es auch diesmal ein bisschen merkwürdig werden?

Auf Sylt angekommen, reist man Richtung Norden, durchfährt noch die schmucke, reetgedeckte Wohlstandswelt von Kampen und erreicht schließlich List. Das A-Rosa steht gleich rechts am Dorfeingang, Dünenlage. Ein strahlend weißer Bau in der Form eines U, bodentiefe Holzfenster, vier Etagen, fünf Sterne. 65 Millionen Euro hat die A-Rosa Management GmbH, eine Tochter der Deutschen Seerederei, in das Anwesen investiert. Man betritt eine Lobby, die klein und schlicht und wenig glamourös ist. Ein gelungenes Entree hätte sich darin gezeigt, dass man von hier aus gleich aufs Meer blickt. Stattdessen schaut man auf einen Kamin (Gasbetrieb) inmitten eines bemüht schicken Barbereichs: weiße Wände, schwarzer Tresen, glatter Steinboden in Aubergine. Mit den mausgrauen Sesselchen hätte die Inneneinrichterin besser eine Kita bestückt. Sie sind nicht nur so tief, dass ein Mensch ab 45 kaum wieder herauskommt, sondern für den hohen Raum viel, man betone, viel zu klein.

Hat man die Bar hinter sich, wird es deutlich charmanter. Auf der Rückseite des Hotels gibt es einen herrlich großen Pool. Er wird mit Meerwasser gespeist und ist von hellen Holzbohlen breit umrandet. Ein Anblick wie an Deck eines Schiffes, Urlaubsstimmung. Junge Familien sitzen hier, eine Dreijährige trägt eine Gucci-Brille auf dem Näschen, Kellner servieren Drinks, Artischockensüppchen oder Salat vom Pulpo. Für deutsche Verhältnisse geht es fast schon lässig zu. Auch die Angestellten sind hier nicht so überambitioniert wie am Empfang, wo einem gleich fünf Personen nacheinander die gleiche Frage stellen: "Hatten Sie eine angenehme Anreise?"

Mit dem Pool und einem 3500 Quadratmeter großen Spa möchte sich das A-Rosa Sylt von den Mitbewerbern auf der Insel abheben. Der Eingangsbereich des Spa sieht jedoch nicht sehr einladend aus. Er hat mit seinen billig anmutenden, glatten Bodenfliesen eher den Charme einer Aussegnungshalle. Das Dekor aus gläsernen und silbernen Kugeln weckt Erinnerungen an lang zurückliegende Weihnachtsfeiern.

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Doch die Schönmacherin Frau B. versteht ihr Geschäft. Ein Blick, und sie weiß, was man braucht: die Gesichtsbehandlung "Männersache". Kurze Zeit später liegt man da und blickt zufrieden hinaus aufs Meer, das sich kräuselt und schimmert. Bis Frau B. plötzlich eine unverlangte "Entspannungszeremonie" vornimmt, die darin besteht, dass sie ein paar Minuten lang den Körper des Gastes hin und her ruckelt. Was sie dann aber in nur 90 Minuten mit kundigen Händen und den feinsten Kosmetikprodukten eines französischen Herstellers bewirkt, macht einen ernsthaft glauben, dass man nicht schon mit fünfzig so faltig aussehen muss wie sein Mops. Seit etwa einem Jahrzehnt setzt A-Rosa auf Wellness und gesunde Ernährung. Von Medical Wellness hat sich das Unternehmen verabschiedet. Erfreulich ist, dass es im neuen Hotel kein abendliches Buffet mehr gibt und man in drei Restaurants à la carte essen kann: italienisch, asiatisch oder edel im La Mer. Hier verleiht der Küchenchef Sebastian Zier zum Beispiel der Symphonie vom Bretonischen Hummer mit Limonenöl, Safran-Aioli und Koriandermayonnaise eine feine Note. Der Sommelier schenkt dazu so eifrig ein, dass man ernsthaft Mühe hat, sein Zimmer zu finden.

Natürlich ist man glücklich, nicht eines der Zimmer zur Vorderseite erwischt zu haben: Von dort zielt der Blick direkt auf eine Tankstelle. Oder Suite 366, gegen deren Einrichtung sich Möbel Hübner wie ein Designstudio ausnimmt. Eine Enttäuschung für über 700 Euro die Nacht: die gleichen Kerzenleuchter aus Blech, die auch im Restaurant stehen, ein verunglückter Plüschteppich (mausgraue Kunstfaser), viel Resopal, keine Stoffe, die man anfassen möchte. Und wie in den Einrichtungskatalogen der achtziger Jahre liegen drei exakt gleich große Äpfel der Sorte Granny in einer Schale, die selbstverständlich auch aus Blech ist. Nein, man ist froh über Zimmer 334, die Balkontür steht offen, und morgens blickt man vom Bett aus direkt aufs Meer.

Grand Spa Resort A-Rosa Sylt , Listlandstraße 11, 25992 List/Sylt, Tel. 04651/967500, www.a-rosa.de; DZ ab 230 Euro einschließlich Frühstücksbuffet.