Wenn von Karstadt die Rede ist, wird schnell die Metapher vom Wirtschaftsdrama bemüht. Immerhin geht es um die größte Unternehmenspleite in der Geschichte der Bundesrepublik, um 25.000 Arbeitsplätze.

Aber ein Drama im klassischen Sinne ist es nicht. Allein die vielen Hauptdarsteller! Kein Zuschauer würde in so einem Stück den Überblick behalten – bei all den Investoren und Kaufleuten, Gewerkschaftern und Immobilienbesitzern. Vor einem Jahr meldete die Warenhauskette Insolvenz an. Seither suchte Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg einen neuen Eigentümer für Karstadt; als "kompliziertes Geflecht von Tuscheleien" beschrieb er das Verfahren. Seit Montag gibt es ein Ergebnis – aber das ist noch längst nicht der letzte Akt.

Erst einmal hat Karstadt einen KäuferNicolas Berggruen. Der Privatinvestor besitzt zwei seltene Eigenschaften: Er bringt Geld mit, und er glaubt an die Zukunft von Warenhäusern. Seinen Optimismus begründet Berggruen bislang aber nur mit Gemeinplätzen. "Karstadt ist ein wichtiger Name und verfügt über gute Standorte", sagt der Milliardär. "Es lohnt sich, die Marke zu retten." Den Mitarbeitern garantiert er die Jobs. Und das 130-jährige Firmenjubiläum im kommenden Jahr würden alle Beschäftigten gemeinsam feiern, versprach der neue Chef.

Immer wieder betont Berggruen, er sei nicht am schnellen Geld interessiert. Das verdienen zu wollen, wäre bei Karstadt ohnehin aussichtslos. Als die Firma vor rund einem Jahr Insolvenz anmeldete, war fast der gesamte Besitz verkauft oder verpfändet. "Wir haben mit der Lupe nach der Substanz in diesem Unternehmen gesucht", erinnert sich Insolvenzverwalter Görg, "aber wir haben nichts Nennenswertes gefunden."

Was also treibt Berggruen zu Karstadt? Sicher, der Deutsch-Amerikaner fühlt sich der Heimat seiner Familie verbunden. Außerdem will sich der 48-Jährige bei seinen Investitionen sozial engagieren. Mit dem Einstieg bei der Warenhauskette rettet Berggruen Tausende Arbeitsplätze und hilft Dutzenden Innenstädten, deren wirtschaftliches Zentrum eine Karstadt-Filiale ist.

Allein: Idealismus ersetzt keine Geschäftsidee. Deshalb scheint sich Nicolas Berggruen an Mittelständlern wie Florian Lipp aus dem oberbayerischen Weilheim orientieren zu wollen. Die betreiben oft nur ein einzelnes Warenhaus – das aber durchaus mit Erfolg. Nach diesem Vorbild sollen die Karstadt-Filialen künftig mehr Freiheit bekommen; das Sortiment könnte dann besser nach der Kaufkraft und der Konkurrenz vor Ort ausgerichtet werden.