Die Leidenschaft für ostdeutsche Komponisten, sagt Thomas Synofzik, habe er als Jugendlicher in Dortmund entdeckt, seiner Heimatstadt. Damals empfing er heimlich DDR-Fernsehen und sah die Sendung Im Konzert . "Da begann meine Liebe zu Stern Meißen und Silly", sagt Synofzik. Fortan hörte er den Sender DT 64. Viel später, als Dozent, gab er Uni-Seminare: "Rockmusik der DDR".

Dass er dereinst in der Heimat solcher Musiker würde wirken können, hätte Synofzik nie für möglich gehalten. Der promovierte Musikwissenschaftler, Experte für historische Tasteninstrumente und Schumann-Kenner, ist seit fünf Jahren Leiter des Schumann-Hauses am Hauptmarkt 5, Ecke Münzstraße, Zwickau. Hier wurde der berühmteste Sohn der Stadt geboren, am 8. Juni 1810, und hier befindet sich heute, neben dem obligatorischen Museum, eine der bedeutendsten Forschungsstätten zum Leben und Wirken der Schumanns: das weltweit größte Archiv von Originalhandschriften Roberts und seiner Ehefrau Clara Wieck. Für Synofzik, einen Mann mit langem grauen Haar, wellig wie in der Shampoo-Werbung, ist dies das Paradies.

"Die Schumanns sind ein Thema, dem ich mein Leben gut widmen kann", sagt er. Als Elfjähriger las er die erste Biografie Clara Wiecks. Mit 14 besuchte er Schumann-Symposien. Heute fliegt er so oft wie möglich per Billigflieger nach London, um bei Sotheby’s Schumann-Autografen, handschriftlich verfasste Original-Notenschriften, zu ersteigern. Das bisher unveröffentlichte Duett Deutscher Blumengarten, komponiert im Revolutionsjahr 1849, erstand er dort jüngst für 22600 Euro aus dem Erbe eines privaten Sammlers. Jetzt, im Schumannjahr, wird das Stück erstmals aufgeführt – in Zwickau.

Am vergangenen Dienstag hätte Robert Schumann, "Zwickaus Weltstar", seinen 200. Geburtstag gehabt. Ein ganzes Festjahr hat Synofzik um diesen Termin komponiert, bis zum 20. Dezember veranstaltet er Museumsabende, Chorwettbewerbe, Sinfoniekonzerte und im Advent den Kindernachmittag "Knecht Ruprecht im Hause Schumann". Ein Höhepunkt an diesem Sonnabend: Auf dem Hauptmarkt spielt Hélène Grimaud mit dem MDR-Sinfonieorchester das Klavierkonzert opus 54.

In Zwickau, sagt Synofzik, habe er eine Liebe gefunden, und nicht nur diese. Da eroberte er auch seine heutige Ehefrau, wie er in Dortmund geboren. Die Juristin, ebenfalls Schumann-Fan, erkläre stets: Wenn du nicht auf Robert eifersüchtig bist, bin ich es nicht auf Clara. Überhaupt seien seine Frau und er längst überzeugte Zwickauer. "Die Marienkirche! Der Dom! Und der Marktplatz, noch wie zu Schumanns Zeiten!", schwärmt der 43-Jährige.

Die Zeiten für die Erinnerung an Schumann sind golden in diesem Jahr. Doch das Geld ist knapp, und Prioritäten können sich schnell verschieben. Früher hieß Zwickau "Robert-Schumann-Stadt". Heute ist diesem Namen noch das Wort "Automobil" vorgeschaltet. Es gibt nun einen Haushaltsstopp für den Ankauf historischer Schumann-Originale aus städtischen Mitteln. Er suche jetzt private Finanziers, sagt Synofzik. Bisher zumindest habe sich immer jemand gefunden, der ein Stück vom Weltstar in die Heimat zurückholen wollte.

Thomas Synofzikleitet seit fünf Jahren Zwickaus Schumann-Haus. Nun dirigiert er das große Fest