Vor seinem Ministerium wird für bessere Zeiten gebaut – ein Public-Viewing-Gelände zur WM. Georg Unland, 56, wollte das zunächst nicht. Sachsens Finanzminister, der einen Etat von 16 Milliarden Euro verwaltet, mag kein Remmidemmi zu Bürozeiten, und seine enden oft nachts. Am Sonntag trifft sich das Kabinett zur entscheidenden Haushaltsklausur. Die Stimmung des Ministers ist aufgeräumter als sein Büro. Also bittet er nach nebenan. Vorteil: Im ZEIT-Gespräch, dem ersten längeren Interview seiner Amtszeit, kommt er ohne seine geliebten Tabellen und Diagramme aus.

DIE ZEIT: Herr Unland, wie stellen Sie sich eigentlich eine Milliarde Euro vor?

Georg Unland: Das ist der Betrag, mit dem Sachsen ein Jahr lang alle seine Hochschulen und Forschungsinstitute finanziert. Und da ich früher als Ingenieur im Anlagenbau tätig war, weiß ich: Eine Milliarde kostet ein Stahl- oder Zementwerk.

ZEIT: So viel Geld. Ist es dann nicht eine Zumutung, jährlich 1,7 Milliarden zu kürzen?

Unland: Das ist keine Zumutung. Wer das Geld nicht hat, kann es nicht ausgeben. Auch ich selbst mache keine Schulden. Da fahre ich lieber einen Gebrauchtwagen – auch wenn das Sachsens Autoindustrie nicht gern hören wird. Aber es ist selbstverständlich, dass man nicht über seine Verhältnisse lebt, als Staat wie als Privatmann.

ZEIT: Sie sagten mal, auf den Prüfstand müssten alle Ausgaben, bis hin zum Toilettenpapier. Wird in ihrem Ministerium bald das Klopapier knapp?

Unland: Das war sicher plakativ formuliert. Mein Ressort geht mit gutem Beispiel voraus und an die Strukturen der Finanzverwaltung heran: Wir werden bald deutlich weniger Finanzämter haben.

ZEIT: Warum macht Sachsen gerade jetzt den großen Schnitt, während die allermeisten Länder und der Bund neue Schulden auftürmen?

Unland: Das hat mehrere Gründe. Erstens: Die Solidarpaktmittel sinken, wir haben schon jetzt jedes Jahr deutlich weniger Geld zur Verfügung. Zweitens: Wir spüren die Demografie immer heftiger. Sachsen wird bis 2020 zahlenmäßig eine Großstadt wie Chemnitz verlieren. Deshalb ist es nötig, jetzt mutige Entscheidungen zu treffen. Drittens: Ohne die Finanzkrise wäre die Anpassung ein schleichender Prozess einer ganzen Dekade gewesen. Nun aber müssen wir einen großen Sprung nach unten machen und das für 2020 geplante Niveau wesentlich rascher erreichen.

ZEIT: Sind die 1,7 Milliarden Euro – zehn Prozent des Etats – nicht ein Schreckgespenst des Finanzministers zur Disziplinierung von Koalition und Opposition? Rechnet man Absenkungen bei Kommunen und Investitionen raus, bleibt nur ein Viertel übrig.

Unland: Die Ausgaben sinken aber um diese rund 1,7 Milliarden, da gibt es kein Vertun. Auch Kürzungen bei Kommunen und bei Investitionen sind reales Geld, das weniger bei Bürgern, großen Firmen oder kleinen Handwerkern ankommt.