Excalibur ist immer mit dabei. Ob am Golf von Biskaya, an der Loire, am Nordrand des Thüringer Waldes oder im Karpatenvorland, ohne Excalibur geht es nicht auf so einer Reise. Reichlich vier Monate wird sie dauern und über 4000 Kilometer von Santiago de Compostela, tief im Nordwesten Spaniens, durch Frankreich, Deutschland und Polen führen. Ziel ist Kiew, Hauptstadt der Ukraine. Zwischendurch wird in 47 Städten angehalten. Immer dann muss Excalibur zeigen, was in ihm steckt: Papier, Prospekte, Möbel, Computertechnik. Und beste Werbung für Sachsen.

Excalibur ist ein Pkw-Anhänger, von einem Wohnmobil gezogen. Es ist ein besonderes Mobil, das die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden auf den Weg geschickt haben, um für Sachsen und seine dritte Landesausstellung zu werben. Diese wird via regia heißen, Untertitel: 800 Jahre Bewegung und Begegnung – und sich vom 21. Mai bis zum 31. Oktober 2011 in Görlitz mit der berühmten, bald 800-jährigen Handelsstraße beschäftigen, die durch Sachsen führt.

Die Landesausstellungen, initiiert vom Freistaat noch in der Ära Kurt Biedenkopfs, sollen sächsische Geschichte plastisch machen, anregend aufbereitet. Sie werden mit beachtlichem Aufwand, nach jahrelanger Organisationsarbeit, alle sechs oder sieben Jahre irgendwo in Sachsen veranstaltet. Zehntausende Besucher sahen schon die erste Landesschau, 1998 im Kloster St. Marienstern von Panschwitz-Kuckau. Sie zeigte den Menschen das Mittelalter, mit Klöstern und Kirchenmusik. 2004, in Torgau, ging es um Glaube und Macht, das Machtstreben der sächsischen Kurfürsten und Herzöge in der Reformationszeit. Bald nun, in Görlitz, soll das Thema also via regia heißen.

Hauptschauplatz wird der dann frisch sanierte Kaisertrutz sein. Noch schützen Baugerüste das mächtige Rondell vor fremden Blicken. Die Kanonenbastei aus dem 15. Jahrhundert – errichtet, um die von Westen durch die Stadt führende Handelsstraße Via Regia zu schützen – beherbergte ab 1932 bereits Teile des Görlitzer Kulturhistorischen Museums. 15 Millionen Euro kostet es, die insgesamt drei Ausstellungshäuser herzurichten.

Auf der Via Regia beförderten Händler schon im Mittelalter Kostbarkeiten

Deshalb beginnt die Werbetour des Wohnwagengespanns am vergangenen Freitag auch an diesem Ort. Görlitz, Demianiplatz 1. "Via Mobil" heißt das Fahrzeug, das da steht; es ist weiß und orange lackiert, auf der linken Seite klebt eine Landkarte: der Verlauf der Via Regia. Rechts ein Bild des Kaisertrutzes, von nun an unterwegs durch Europa. Neben dem Auto die Bühne der Politiker, die an diesem Tag ebenfalls angereist sind.

Sachsens Kunstministerin Sabine von Schorlemer und der Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen, Martin Roth, erklären die Bedeutung der Landesausstellung für Sachsen, Görlitz und seine polnische Nachbarregion. "Das Via Mobil wird neugierig machen auf Sachsen als Kultur- und Reiseland, aber auch als Wirtschafts- und Innovationszentrum", sagt von Schorlemer. "Eine noble Aufgabe" sei es, sagt Roth, "die Landesausstellung umzusetzen".

Die historische Via Regia erstreckt sich von Frankfurt am Main bis nach Krakau. 1255 erwähnt sie der Markgraf Heinrich von Meißen in einer Urkunde erstmals als "strata regia", als Königsstraße. Knapp 90 Jahre später, 1341, stellt der damals über Böhmen herrschende Johann von Luxemburg den Straßenabschnitt in seinem Machtbereich unter königlichen Schutz. Die Landesausstellung soll zeigen, wie sich Warenaustausch, Kultur- und Kunsttransfer auf der Via Regia vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert entwickelt haben. Es sind Geschichten von Kaufleuten aus dem Osten, die mit ihren Planwagen Felle und Leinen auf die großen Märkte wie den Brühl in Leipzig brachten; auch vom Handel mit Salz von West nach Ost.

Das selten gezeigte, empfindliche Pergament Heinrichs IV. aus dem Jahr 1071, in der Görlitz erstmals als "villa goreliz" erwähnt ist, wird ausgestellt, ebenso ein 1741 gefertigter Schrittzähler aus Messing. Kronjuwelen, die sonst nur im Grünen Gewölbe in Dresden zu sehen sind. Und selbst Bezüge zu August dem Starken fehlen nicht. 1697 begab der sich auf der Via Regia nach Krakau, um sich dort zum König von Polen krönen zu lassen.