Es gibt eine Methode, den ausbleibenden Sommer herbeizuzwingen: indem man sich so anzieht, als würde unter den Füßen die Savanne glühen, am Horizont hinter Hitzeschleiern eine Herde Kudus grasen und über einem die Sonne rücksichtslos auf die Weiten Afrikas herunterbrennen. Möglich ist dies durch den in diesem Sommer allseits angepriesenen Safarilook.

Sich in Eierschalen-, Khaki- und Beigetönen der Safarimode zu kleiden gehört zu den wenigen sicheren Methoden, gleichzeitig lässig und gut angezogen auszusehen. Das liegt vor allem daran, was wir mit dem Begriff Safari verbinden. Auf Safari zu gehen war stets eine Beschäftigung der Oberklasse, der Menschen nämlich, die gar nichts anderes zu tun hatten. Wer in den zwanziger Jahren durch Tansania kurvte, hatte nicht nur viel Geld, sondern er hatte es auch nicht nötig, zu Hause darauf aufzupassen. Safari war eine endlose Freizeit, vermengt mit wohl dosiertem Abenteuer und einer gelebten Unabhängigkeit von allem, was einen in der Heimatwelt so beschwerte. Auf Safari hat man nicht mehr als das, was man mit sich führen kann, es ist Dolce Vita, die man in Kisten packen kann.

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Dieser Mythos der Safari ist es, der sie immer wieder zum Thema der Mode macht. Modern interpretiert, machen den Look der Wildnis einreihig geknöpfte Jacken aus mit vielen aufgesetzten Taschen und einem Gürtel, der auf der Taille getragen wird. Marc Jacobs, Chloé und Stella McCartney kombinieren Khakitöne und Uniformdetails mit Sexappeal in Form von Minis oder bauchfreien Tops. Auch mit verspielten Elementen wie einem aufspringenden Schößchen und mit strengen Schnitten wird gerne gearbeitet sowie mit weitschwingenden Röcken in erdigen Tönen.

Wer derlei Stücke trägt, sollte darauf achten, sie mit etwas Elegantem zu kombinieren: bürotauglich mit Weiß oder auch glamouröser mit Gold oder einem Glitzergürtel. Sonst sehen die Safari-Outfits schnell matt aus, als trage man einen Postsack.

Und vor allem sollte man nicht daran denken, was Safari wirklich war: nämlich durch unterjochte Kolonialgebiete zu kurven und arglose Wildtiere niederzuschießen. Und dabei Kleidung zu tragen, die nicht nur zur Tarnung in Erdtönen gehalten war, sondern auch, damit man sie nicht waschen musste.