C, D, E, F, G, A, H, so lautet unsere gebräuchlichste Tonleiter, jene in C-Dur. Fängt man beim A an, dann ist die Folge A, H, C, D, E, F, G. Ganz klar – da stimmt etwas nicht!

Dass an die Stelle des H eigentlich ein B gehört, sieht man daran, dass im englischsprachigen Raum dort auch ein B steht, was unter Musikern immer wieder verwirrt. Denn der Deutsche bezeichnet mit B den Ton, der einen Halbton unter dem H liegt (in Englisch B flat).

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Der Legende nach hat irgendwann im Mittelalter ein Mönch die Noten falsch abgeschrieben und aus einem B ein H gemacht. Tatsächlich war es so: Schon um das 10. Jahrhundert herum brauchte man zusätzlich zum H (damals noch B) auch den Halbton darunter, weil es sonst keine reine Quarte zum F gab. Eine Weile existierten zwei Bs: das höhere b quadratum , eckig geschrieben, und das niedrigere, rundliche b rotundum . Aus diesen beiden Zeichen entwickelten sich später auch die musikalischen Vorzeichen ♭ (aus dem runden B) sowie ♮ und ♯ (aus dem eckigen).

Das eckige B wurde in seiner Schreibweise mehr und mehr dem H ähnlich, und als im 15. Jahrhundert der Buchdruck aufkam, wurde es schließlich in Deutschland auch als H geschrieben. Und nicht nur dort: Die Englisch sprechende Welt hielt als einzige an der alten Bezeichnung fest, Nord- und Osteuropa halten es wie die Deutschen, während man im Süden den Konflikt vermied und zu neuen Namen für die Töne überging: Do, Re, Mi, Fa, So, La, Si, Do.

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