Deutschlands Verschuldung hat nicht nur eine finanzielle, sondern auch eine ökologische Dimension. Vor allem die Hinterlassenschaften des Energieverbrauchs – Treibhausgasemissionen und Atommüll zum Beispiel – belasten künftige Generationen. Wer die öffentlichen Haushalte mit dem Ziel sanieren will, für mehr Generationengerechtigkeit zu sorgen, muss also ebenso darum bemüht sein, die ökologischen Schulden abzutragen.

Glücklicherweise lässt sich das eine tun, ohne das andere zu lassen. Warum? Weil der Staat bisher in großem Stil umweltschädliches Verhalten sogar fördert, er also gleichzeitig seine Finanzschulden vergrößert und für mehr Ökoschulden sorgt. Damit Schluss zu machen entlastete nicht nur die öffentlichen Haushalte, sondern gleichzeitig auch die Natur, die Lebensgrundlage zukünftiger Generationen.

Um welche Größenordnung es dabei geht, hat das Umweltbundesamt gerade vorgerechnet: Das Ausmaß der umweltschädlichen Subventionen beträgt 48 Milliarden Euro; im Jahr 2008 ließ sich der Staat die schädlichen Anreize sogar 6 Milliarden Euro mehr kosten als zwei Jahre zuvor – zulasten der zukünftigen Steuerzahler.

Gemessen daran bringen die im Sparprogramm enthaltenen Vorhaben nur wenig. Zwar lassen sich nicht alle Wohltaten zugunsten von Partikularinteressen ohne Kollateralschaden kurzfristig beenden. Dennoch wären mehr als die insgesamt angepeilten rund 5 Milliarden Euro der Zukunft zuliebe möglich gewesen. Allein eine Reform der Dienstwagenbesteuerung könnte – ökologisch korrekt – das Haushaltsloch um rund drei Milliarden Euro kleiner machen.

Die versprochene "Abschaffung von Mitnahmeeffekten bei Energiesteuervergünstigungen" (bis zu 1,5 Milliarden Euro) – also von schädlichen Geschenken für die Industrie – ist richtig, aber eigentlich selbstverständlich. Es gab dafür nie eine Rechtfertigung. Die Privilegien mussten jedem ernsthaften Sparbemühen zum Opfer fallen.

Ähnliches gilt für die in Aussicht gestellte Luftverkehrsabgabe: Sie ist nicht verkehrt, aber wenig mutig. De facto ist es schließlich längst beschlossene Sache, dass den vielen Privilegien des Flugverkehrs – keine Mineralölsteuer, Mehrwertsteuer nur auf Inlandsflüge – auch eine kleine Last zur Seite gestellt wird: Nach geltendem europäischen Recht werden Flugzeuge von 2013 an in den europäischen Emissionshandel einbezogen. Bis dahin, also für 2011 und 2012, soll die Ticketabgabe die Fliegerei in etwa so belasten, wie es in Zukunft voraussichtlich der Emissionshandel tut: mit insgesamt rund einer Milliarde Euro.

Bleibt die "Besteuerung der Kernenergie", eine Idee von SPD und Grünen, mit der sich die Regierung Merkel notgedrungen jetzt anfreundet. Sie soll jährlich 2,3 Milliarden Euro bringen und wäre damit der größte Einzelposten im schwarz-gelben Konsolidierungsplan. Gerechtfertigt wäre die von Unionspolitikern früher als "reine Ideologie" bezeichnete neue Abgabe allemal, allein um einen Teil der Zusatzgewinne abzuschöpfen, die der Emissionshandel den Meiler-Betreibern beschert. Die neue Steuer mit einer Gegenleistung zu verknüpfen, zum Beispiel mit längeren Laufzeiten, ist zwar laut Abgabenordnung ausdrücklich verboten, könnte aber demnächst noch für Streit sorgen.

Auch die Bahn soll ihr Scherflein zur Konsolidierung beisteuern: 500 Millionen Euro aus dem Gewinn. Den erwirtschaftet die Bahn zum größten Teil mit Trassengebühren, die die Züge teurer machen, als sie eigentlich sein müssten. Wenn der Bahn-Eigner, der Bund, daran partizipieren will, ohne das abgeschöpfte Geld wieder in die Schieneninfrastruktur zu investieren, vertreibt er also Bahnnutzer, und zwar auf die Straße. Dies angesichts der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko in Kauf zu nehmen, zeugt nicht unbedingt von Umweltbewusstsein beim Sparen.