Theo Sommer, langjähriger Chefredakteur und Herausgeber der ZEIT, gehört gewiss zu den großen, herausragenden deutschen Publizisten. Zur Politik hat er stets die für einen Journalisten existenznotwendige Distanz gehalten. Das hat ihn aber nie daran gehindert, mit großer Verve für Personen oder für ein politisches Thema Partei zu ergreifen. Seine schnörkellose Sprache, seine Weltzugewandtheit und Weltläufigkeit, sein kosmopolitischer Blick und seine Begabung zum Dialog haben sehr wesentlich dazu beigetragen, dass sich in Deutschland ein stabiler, freiheitlicher, demokratischer und sozialer Rechtsstaat entwickelt hat. Kein Wunder also, dass er, der brillante Debattierer, auf vielen Konferenzen, Workshops und Symposien ein gern gesehener Gast ist.

Theo Sommer hat sich nie ideologisch eingemauert, sondern blieb immer offen für neue Einsichten. Er ist ein Mann der Aufklärung, er vertraut dem Argument und der Rationalität, alles Dumpfe, scheinbar Bedeutungsschwere ist ihm zuwider. Obwohl es ihm wahrlich nicht an Selbstbewusstsein mangelt, liebt er das Understatement. Ohnehin können wir uns Theo Sommer, mit seiner eleganten, sportlichen Erscheinung, gut als britischen Lord vorstellen, immer ein ironisches Lächeln in den Augen.

Theo Sommer ist überall in der Welt ein hoch angesehener Gesprächspartner von vielen hochrangigen Persönlichkeiten aus Kultur, Wirtschaft und Politik. Aber es macht ihm auch Freude, eine Rede zur Eröffnung einer Karikaturen-Ausstellung zu halten.

Als Editor-at-Large hat er inzwischen das Privileg, sich nur noch mit Themen zu befassen, die ihn wirklich interessieren. Das sind allerdings ziemlich viele. Das macht sein Leben für ihn und für uns, wenn er etwas schreibt, immer wieder spannend.

Dass Theo Sommer am 10. Juni 2010 das achtzigste Lebensjahr vollendet, wird der kaum glauben, der ihn beim fröhlichen morgendlichen Jogging beobachtet. Wir alle haben allen Grund zur Freude und zur Dankbarkeit, dass es ihn gibt.

Otto Schily war Bundesinnenminister