Jede Mutter, jeder Vater ist mal so weit. Spätestens nach den ersten drei, vier Jahren Kind und Arbeit, Arbeit und Kind, Kind und Arbeit. Dann sitzt sich abends um elf, nach dem x-ten Energisch-ins-Bett-Verfrachten, ein ziemlich abgewracktes Elternpaar am Küchentisch gegenüber.

Sie: "Wir brauchen Urlaub. Dringend! Sofort."

Er: "Aber keinesfalls bei deinen Eltern. Oder in einer Ferienwohnung. Ich will kein Frühstück machen. Ich will nicht einkaufen. Ich will nicht spülen. Ich will mich erholen! Ich will in ein Hotel!"

Sie: "Mit unserem Kind? Ins Hotel? Und dabei erholen? Glaubst du, das geht?"

Es geht. Aber das richtige Hotel zu finden ist nicht einfach. Die Hotels, die viele Paare vor der Geburt des Nachwuchses besuchten, kuschelig und romantisch, eignen sich kaum zum Urlaub mit Nachwuchs. Oder nur für Eltern, die es völlig kaltlässt, wenn im Speiseraum ein Dutzend Gäste obergenervt das eigene (und einzige) Kleinkind fixieren. Das, klar, anfängt zu brüllen.

Natürlich, es gibt richtige "Kinderhotels". Mit Kiefernholzmöbeln, Riesenwasserrutsche, Disney-Figuren vor dem Eingang, im Schwimmbad und auf dem Plastikgeschirr. Mit Pommes, Mayo, Ketchup und Würstchen satt. Dummerweise gehen die Betreiber solcher Hotels davon aus, dass auch die Eltern gern in einem Kinderferienlager hausen. Manche Mütter und Väter haben auch tatsächlich nichts dagegen, denn bei ihnen daheim sieht es ähnlich aus.

Nur: Was tun all die anderen? Die ein Hotel suchen, in dem sich die ganze junge Familie wohlfühlt – wobei ganze Familie heutzutage heißt: von wachsenden Jobanforderungen geplagte, oft doppelverdienende Eltern mit Kind, Alleinerziehende, Patchworkfamilien, Großeltern, die mit den Enkeln verreisen, damit Papi und Mami im Urlaub durcharbeiten können. Doch ein einheitliches Klassifizierungs- und Bewertungssystem für Familienhotels fehlt. "Und mancher Hotelier", sagt Martin Linne, in Erfurt Professor für Tourismuswirtschaft, "denkt schon, er sei familienfreundlich, wenn er bloß eine Schaukel vor dem Haus hat." Glücklicherweise gibt es aber auch Hoteliers, die sich wirklich Gedanken über ihre Zielgruppe machen. Mit Erfolg, aber auf ziemlich unterschiedliche Arten.

Erster Lichtblick für Familien auf der Suche nach einem Feriendomizil: Zusammenschlüsse von Hotels, die sich der Kinder-(und Eltern!-)Freundlichkeit verpflichten.

Hoch über Bozen in Südtirol, genau dort, wo die Berghänge zurückweichen und sich ein großartiger Panoramablick auf die Dolomiten eröffnet, liegt das Parkhotel Holzner. In Familienhand, vor mehr als hundert Jahren im Jugendstil errichtet, zusammen mit der ersten Zahnradbahn, die Ausflügler und Sommerfrischler, darunter Sigmund Freud, aus der drückenden Hitze der Stadt nach oben auf das Ritten-Hochplateau brachte. Seit letztem Jahr fährt eine hochmoderne Seilbahn die Strecke in nur zwölf Minuten; und auch das Holzner hat ein paar Renovierungen hinter sich. 2007 schob man unter das alte Gebäude behutsam ein Spa- und Wellness-Tiefgeschoss in den Hang. Was ein Glück: Nicht nur die beiden hundertjährigen Tannen vor dem Haus überstanden das. Nun gibt es ein Außenschwimmbecken, in dem man juchzend und jodelnd auf die Berge zuschwimmen kann.