Die Geburt verlief unbemerkt von der Öffentlichkeit. Dennoch soll das jüngste Kind der UN-Umweltorganisation Unep künftig einen weltumspannenden Bewusstseinswandel bewirken. Mit diesem Hintergedanken beschlossen mehr als 90 Staaten vergangene Woche in Südkorea die Gründung eines neuen supranationalen Wissenschaftlergremiums für Biodiversität.

Es soll nach dem Vorbild des Weltklimarats IPCC arbeiten und die globale Aufmerksamkeit auf Veränderungen lenken, deren Folgen als ähnlich dramatisch gelten wie jene des Klimawandels. Seine offiziellen Kernaufgaben lauten: den fortschreitenden Verlust von Lebensräumen und Artenvielfalt glaubwürdig zu dokumentieren und zu analysieren, Politik und Öffentlichkeit verschiedene Handlungsoptionen anzubieten – zum wirksamen Schutz der Biodiversität.

Die Delegierten tauften ihr Kind IPBES (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services) . Ihm ist großer Erfolg zu wünschen. Denn schon der spröde Name IPBES lässt ahnen: Die Aufgabe ist gewaltig, komplexer noch als jene des IPCC. Der Klimawandel wirkt global, Arten sterben lokal. Viele Klimafaktoren sind bekannt, viele Arten unbekannt. Klimaschäden lassen sich beziffern, Arten haben selten einen benennbaren kommerziellen Wert. Vor allem von den gefährdetsten unter ihnen weiß kaum jemand. Auch die Liebe zu Tier und Pflanze wird kaum helfen, da viele Schulkinder nicht einmal mehr wissen, was eine Hagebutte ist.

Und wie so oft im Artenschutz soll auch der IPBES möglichst ehrenamtlich arbeiten, bindende Finanzzusagen gibt es nicht. Ein solch wohlfeiler Beschluss zementiert das staubige Image der Artenschützer als Hobbykäferbeinchenzähler. Hier muss der Bewusstseinswandel beginnen.

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