Die Polkappen schmelzen, und guter Rat ist teuer, wie der Klimawandel aufzuhalten ist. Kürzlich stellte die UN-Umweltorganisation Unep eine Studie vor, in der die Verursacher der weltweiten Erhitzung wieder einmal benannt werden – vor allem der Verbrauch fossiler Brennstoffe und die Landwirtschaft. Für den Einzelnen bedeutet das nicht nur, dass er weniger Auto fahren sollte. Unter der Annahme, dass die Weltbevölkerung bis 2050 um 50 Prozent zunimmt, müsse es auch "eine radikale Änderung der Ernährungsgewohnheiten weg von tierischen Produkten" geben, meint der Naturwissenschaftler und Unep-Mitarbeiter Ernst Ulrich von Weizsäcker. Im Klartext: Der Mensch sollte weniger Fleisch essen.

Fakt ist, dass bei der Produktion von Fleisch – vor allem bei der Aufzucht von Rindern und Schafen – erhebliche Mengen klimarelevanter Gase in die Luft geblasen werden: Methan aus den Wiederkäuermägen, Lachgas aus Gülle, dazu das Kohlendioxid, das bei der Herstellung von mineralischem Dünger und Pestiziden für den Anbau von Futtermitteln anfällt. Weltweit soll die Viehzucht für rund ein Fünftel der Treibhausgase verantwortlich sein, hierzulande sind es etwa zehn Prozent. Fakt ist auch: Der Wandel vom Fleischesser zum Vegetarier würde die individuellen Emissionen um gut 200 Kilogramm Treibhausgase im Jahr vermindern. Der Deutsche isst relativ viel Fleisch – 60 Kilogramm im Jahr. Ein solcher "Mischköstler" kommt auf rund 1650 Kilogramm CO₂-Äquivalente pro Jahr, wobei ein CO₂-Äquivalent die gängige Maßeinheit ist, die alle relevanten Klimagase erfasst.

Nur hören es viele Menschen nicht gern, dass sie künftig weniger Fleisch auf den Tisch bringen sollen. Essen wird als Privatangelegenheit empfunden. Dazu kommt: Die Klimabilanz, die bei Tisch entsteht, kann auf vielerlei Wegen verbessert werden – nicht nur durch einen geringeren Fleischkonsum. Von der Ackerpflanze zum angerichteten Salat, vom Kälbchen zum panierten Schnitzel ist es jeweils ein weiter Weg, auf dem sich viele Chancen bieten.

Die Rechnung beginnt schon beim Einkauf: Gehe ich zu Fuß, oder fahre ich mit dem Auto? Eine Studie des Heidelberger Instituts für Energie- und Umweltforschung (IFEU) kommt zu dem Schluss, dass bei Verbrauchern, die Einkaufswege ausschließlich mit dem Pkw zurücklegen, die eigentliche Produktion der Lebensmittel eine untergeordnete Rolle spielt. Beispiel: Zwei Kilogramm heimisch produzierter Äpfel schlagen mit 0,4 Kilogramm CO₂-Äquivalenten zu Buche. Wenn man diese zwei Kilogramm mit dem Auto einkauft, können die Emissionen bis auf zwei Kilogramm CO₂-Äquivalente steigen. Wer sein Steak zu Fuß abholt, kann dessen Klimabelastung immerhin noch um rund ein Viertel reduzieren.

Weitere Fragen sind entscheidend, auch wenn sie noch so banal klingen: Lagere ich das Steak in einem alten Kühlschrank? Koche ich energiesparend mit Deckel auf dem Topf? Wo kommt mein Strom für die Küchengeräte her?

Wer etwa von einem Kühlschrank mit der Bewertung A auf ein AA+-Gerät umsteigt, spart jährlich rund 50 bis 70 Kilogramm Treibhausgase ein. Allein der Umstieg von konventionell erzeugtem Strom auf die Ökovariante bringt einem vierköpfigen Otto-Normal-Haushalt eine Ersparnis von satten 300 Kilogramm CO₂ pro Person.

Der Verweis darauf, dass Veganer, die alle vom Tier stammenden Nahrungsmittel ablehnen, mit einer Produktion von rund 1000 Kilogramm Treibhausgasen jährlich die niedrigste Klimabilanz für Ernährung aufweisen, ist zwar richtig, lässt aber wichtige Fakten außer Acht: Eine nachhaltige Produktion von Pflanzen ist nämlich nur mit dem Dung von Tieren möglich. Zudem sind Rinder und andere Wiederkäuer hierzulande wichtig für die Pflege unserer Kulturlandschaft. Die meisten Experten sehen allerdings vor allem in der ökologischen Landwirtschaft eine Möglichkeit zur Schonung des Klimas. Wer zu Fuß im Bioladen saisonale Produkte einkauft, macht es richtig. Wegen des höheren Preises von Biofleisch dürfte sich dann der Konsum von allein reduzieren.

Die Klimabilanz, die bei der Ernährung entsteht, kann nicht nur durch einen geringeren Fleischkonsum verbessert werden