In späterer Zeit, als Kriegsschiffe mit Kanonen bestückt wurden, blieben die Galeeren nur schwach bewaffnet. Für große Geschütze gab es wegen der Ruderbänke keinen Platz; die meisten Schiffe hatten lediglich am Bug drei bis fünf Kanonen stehen. Erst die im späten 16. Jahrhundert aus der Galeere entwickelte dreimastige Galeasse führte mehr Bewaffnung mit, jetzt konnte man in alle Richtungen feuern. Doch ließen sich die Kapitäne nur ungern auf Artillerieduelle ein. Sie führten ihr Schiff möglichst direkt an den Gegner heran, damit die Entermannschaft an Bord des Feindes klettern konnte. Eine gängige Taktik bestand darin, das Deck des Feindes zu beschießen und das Schiff dann zu rammen.

Es gab Galeerentypen, bei denen mehrere Männer an einem großen Riemen saßen, andere, bei denen jeder Mann auf der Bank ein eigenes Ruder bediente. Meist ließ der Kapitän den Takt mit Rufen oder dem Schlagen der Pauke vorgeben.

Die Ruderbänke müssen mit Menschenmaterial gefüllt werden

Bei der Spurtgeschwindigkeit, die beim Angriff und auch bei der Flucht benötigt wurde, waren es bis zu 26 Schläge in der Minute. Dann mussten die Ruderer aufstehen. Sie stemmten ihren Fuß gegen eine Stütze an der Vorbank und pressten ihren Körper gegen die Riemen. Keine Mannschaft konnte dieses Tempo länger als zwanzig Minuten durchhalten.

Wegen ihrer hohen Geschwindigkeit auf kurze Distanz war die Galeere ideal für Überraschungsangriffe und schnelle Überfälle geeignet. Besonders gefährlich war ihr Einsatz bei Windstille. In solchen Stunden konnte sie selbst die größten Segelschiffe erobern, wenn diese bewegungsunfähig auf den Wellen schaukelten. Wie ein riesiges Insekt mit unzähligen langen Beinen und schmalem Körper schoss die Galeere dann über das Wasser auf ihre Beute zu.

Deswegen wurde sie im Mittelmeer auch zum bevorzugten Schiff aller Piraten und Kaperer. "Gott bewahre dich vor den Galeeren von Tripolis", lautete in Spanien und Italien ein weitverbreiteter Abschiedsgruß für ausfahrende Seemänner. Die Seeleute und ihre Familien fürchteten die Korsaren, weil diese die Besatzung überfallener Schiffe auf die Ruderbänke zwangen oder auf den Sklavenmärkten verkauften.

Bis weit in das 15. Jahrhundert hinein schufteten auf den Kriegsgaleeren immer noch hauptsächlich Ruderer, die dafür Sold erhielten. Der Mangel an Freiwilligen für die harte Arbeit, das stetige Anwachsen der Flotten und der permanente Konflikt zwischen den christlichen Mächten und den expansiven Osmanen führten im 16. Jahrhundert dazu, dass immer mehr Männer zum Dienst gepresst wurden. In der mächtigen Seerepublik Venedig schickte man verurteilte Kriminelle, Schuldner und Bettler auf die Ruderbank. Auch Richter der anderen italienischen Stadtstaaten, in Frankreich und im Osmanischen Reich verurteilten zur Galeerenstrafe.

Alle Seemächte des Mittelmeers setzten auf diese Schiffe. In den großen Arsenalen von Venedig und Istanbul bauten sie Tausende Handwerker im staatlichen Auftrag. Diplomaten und Spione aus den anderen Staaten beäugten misstrauisch, wie viele Galeeren vom Stapel liefen, und schrieben eilig Depeschen an ihre Auftraggeber. Als im Mai 1534 die neue Flotte des Sultans in den Bosporus hinausruderte, berichtete der flämische Diplomat Cornelius de Schepper an den Genueser Admiral Andrea Doria, der mit seiner privaten Galeerenflotte im Dienste Kaiser Karls V. stand: "Ingesamt verfügt er [der osmanische Flottenbefehlshaber] über 1233 christliche Sklaven, […] bei den übrigen Ruderern handelt es sich um Serben und Bulgaren, alle angekettet, weil sie Christen sind." Der Unterschied zwischen den echten Sklaven und den zum Rudern gezwungenen freien Christen war nur ein theoretischer. Viele der vom Sultan rekrutierten Männer hatten noch nie das Meer gesehen und wurden ebenso mit der Peitsche angetrieben wie die anderen Ruderer.

1534 lässt der Sultan 90 Galeeren bauen, im Jahr darauf sind es bereits 120. Der Bedarf an Männern ist immens. Allein das Flaggschiff wird von 160 Sklaven gerudert. In den späteren Jahrhunderten verdoppelt sich die Zahl der Ruderer auf den großen Galeeren noch. Um die Bänke zu füllen, überfallen die Flotten regelmäßig feindliche Küstenstreifen. Im Sommer 1544 macht ein türkisches Geschwader in Italien Gefangene: Zeitgenössische Quellen berichten, dass 6000 Menschen nach Istanbul verschleppt wurden. Aber auch der Gegner ist auf der Jagd. Spanische und italienische Flottenbeamte beklagen in ihren Memoranden immer wieder, dass die Ruderbänke nicht besetzt werden können. "Die Rudergaleere verbrauchte Männer wie Treibstoff. Jeder Tote oder Sterbende, den man über Bord warf, musste ersetzt werden – es gab nie genug Ruderer", schreibt der englische Schriftsteller Roger Crowley.