Nein, in Hamburg brennt keine Asylunterkunft. Auch wird dort kein neues Atommülllager geplant. Trotzdem standen kürzlich einige Hundert Bürger rund um die Kunsthalle und hielten sich traut an den Händen. Sie leisteten Widerstand, sie wehrten sich gegen die Kultursenatorin Karin von Welck. Nicht nur der bekannte Maler Daniel Richter wirft ihr öffentlich "Machtgier" und "Inkompetenz" vor.

Viele in Hamburg sehen in Karin von Welck längst eine Senatorin der Unkultur. Ob Elbphilharmonie oder Gängeviertel , sie polarisiert die Stadt. Und nebenher ruiniert sie nach Kräften den Ruf der Hamburger Museen. Erst die Sache mit den Brandschutzklappen: Die seien defekt, hieß es, deshalb müsse die Kunsthalle schließen. Später stellte sich peinlicherweise heraus, dass der tiefere Grund für die Teilschließung nicht die Technik, sondern das Geld ist.

Seit Jahren wird das Museum kurzgehalten, es bekommt gerade mal die Hälfte dessen, was vergleichbare Häuser in anderen Großstädten bekommen. Doch statt sich für eine spürbare Etat-Erhöhung einzusetzen, arbeitet die Kultursenatorin eifrig daran, die Museen zu düpieren. Nun will sie den Direktor der Kunsthalle, Hubertus Gaßner, in einem neuen Arbeitsvertrag dazu zwingen, für Verluste künftig zu haften. 20 Prozent seines Gehalts soll er einbüßen, falls er das Museumsbudget überzieht.

Nichts leichter als das, könnte sich Gaßner sagen. Im Grunde muss er sich nur einen Staubwedel kaufen, mit dem geht er dann jeden Morgen durch die Bildersäle und wedelt über seine Kunstwerke. Alle anderen Aktivitäten stellt er ein, sie kosten nur Geld. Mag das Museum auf diese Weise auch an sich selbst ersticken, es rechnet sich. Karin von Welck kann glücklich sein. Natürlich, so will sie das nicht. Großartige Sonderausstellungen sollen her, damit Hamburg glänzt im Wettbewerb der Metropolen. Aber solche Ausstellungen sind teuer. Und selbst wenn sie viele Besucher anziehen, ist kaum vorhersehbar, ob sie am Ende mit Gewinn abschließen. Das Museum müsste also ein Risiko eingehen.

Aber auch das will die Senatorin nicht. In dem neuen Vertrag verlangt sie vom Direktor, dass die Ausstellungen schon lange vor der Eröffnung durchfinanziert sind. Drittmittel heißt das Zauberwort – mindestens 75 Prozent der Kosten sollen damit bestritten werden. Dass sich Sponsoren ohnehin nur schwer finden lassen und sich erst recht nicht Jahre im Voraus binden wollen, all das scheint von Welck nicht zu kümmern. In schönster Schizophrenie will sie die Füße des Museumsdirektors in Behördenbeton eingießen und verlangt von ihm zugleich, weit hinauszuschwimmen aufs offene Meer der Marktwirtschaft.

Hat sich jemals eine Kultursenatorin derart willfährig in den Dienst neoliberaler Restlogik gestellt? Binnen weniger Monate ist es ihr gelungen, die Museen Hamburgs der Lächerlichkeit preiszugeben. Vielleicht sollte sie darüber nachdenken, wie ihre eigene Verlustbeteiligung aussehen könnte. Die Löcher, die sie in den Reputationshaushalt der Kulturstadt Hamburg gerissen hat, sind jedenfalls mit Geld kaum mehr zu stopfen.