"Wir entschuldigen uns im Namen des Rugby-Sports bei allen schwarzen Südafrikanern, die unser Land nicht repräsentieren durften und durch die rassistische Ideologie der früheren Regierung unterdrückt wurden." Diese Abbitte hatte niemand erwartet, schon gar nicht von der Rugby-Union Südafrikas, die wie keine andere Sportorganisation die Rassenpolitik des weißen Regimes exekutierte. Dennoch war sie die erste, die nach dem Untergang der Apartheid um Vergebung bat. 16 Jahre hat das gedauert.

Die Fifa aber schweigt noch immer. Die Spitzenfunktionäre des Weltfußballverbands wollen sich während der Weltmeisterschaft 2010 als großherzige Gönner feiern lassen – schließlich haben sie Südafrika die erste WM auf afrikanischem Boden beschert. Fifa-Präsident Sepp Blatter und seine Adjutanten treten in diesen Tagen so selbstherrlich auf, als hätte ihre Organisation im Widerstand gegen die Apartheid an vorderster Front gestanden. In Wahrheit hat die Fifa lange Zeit ihre schützenden Hände über den weißen südafrikanischen Fußballverband gehalten, der schwarze, farbige und indischstämmige Spieler ausschloss und zu Menschen zweiter Klasse degradierte. Die WM hätte dem Verband eine ideale Gelegenheit geboten, um sich endlich dafür zu entschuldigen. Doch den Fifa-Granden fehlt – anders als dem Rugby-Verband – der Mut zur Selbstkritik. Sie lassen sich in Südafrika hofieren, und Sepp Blatter, das ist kein Witz, wird sogar als Kandidat für den Friedensnobelpreis gehandelt. Wofür nur?

Südafrika war in der Ära der Apartheid weltweit geächtet. Nach dem Soweto-Aufstand 1976 wurde die globale Antiapartheidbewegung zur größten Menschenrechtsbewegung aller Zeiten. Aber die herrschenden Buren beeindruckte der weltweite Protest genauso wenig wie das Waffenembargo oder die Handelsblockade. Nur eine Strafmaßnahme traf sie wirklich: der Sportboykott.

Die weißen Südafrikaner sind ein sportbegeistertes Volk, Cricket, Rugby, Rasenbowling oder Golf sind Teil ihrer kolonialen Identität, und sie empfanden es als tiefe Kränkung, bei internationalen Wettbewerben nicht mehr mitmachen zu dürfen. Aber es war ein langes, zähes Ringen, ehe sie endgültig isoliert wurden, und die Weltsportverbände gaben dabei eine traurige Figur ab.

Die Politik der Apartheid, 1948 zur Staatsdoktrin erhoben, wurde im Laufe der fünfziger Jahre in sämtlichen Bereichen des öffentlichen Lebens vollstreckt; auch im Sport war die strikte Rassentrennung gesetzliche Pflicht. Die exklusiv weißen Verbände lehnten nicht-weiße Mitglieder ab, gemischte Wettbewerbe wurden verboten, und nur hellhäutige Athleten durften Südafrika im Ausland repräsentieren. Die Funktionäre multiethnischer Sportorganisationen verfolgte das Regime als Staatsfeinde. Besonders verhasst war ihnen Dennis Brutus, ein junger farbiger Dichter und Journalist, der den Ausschluss Südafrikas von der olympischen Bewegung forderte. Immer wieder appellierte er an die alten weißen Männer des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), immer wieder hörte er: Das ist Politik, da mischen wir uns nicht ein. Als es Brutus einmal gelang, den mächtigen IOC-Präsidenten Avery Brundage zur Rede zu stellen, beschied ihn dieser kategorisch: "Selbst wenn ich der einzige Zuschauer bin und Südafrika das einzige Team im Stadion ist, werden die Spiele weitergehen."