"Einmal dem Fehlläuten der Nachtglocke gefolgt, es ist niemals gutzumachen", lautet die berühmte Warnung Kafkas. Daran dachte ich nicht, als es an der Pforte klopfte, es war ja auch nicht Nacht. Ich trat an die Brüstung und rief nach unten: "Wer da?" Ein Mann erschien und rief: "Ich bringen Griel!"

O Gott! Da war er, der Grill. Ich hatte mich wirklich nicht danach gedrängt. Viele Leser wissen, und die Kollegen von der Redaktion natürlich auch, dass ich immer wieder gegen das Grillen, dieses Kennzeichen der Primitivküche, polemisiert habe. Wo zum Garen von Lebensmitteln ein blecherner Fußabstreifer genügt, habe ich argumentiert, dort ist kein Platz für verfeinertes Kochen. Dem haben die Kollegen heftig widersprochen. Es gebe inzwischen moderne Grillgeräte, mit denen die raffiniertesten Gerichte hergestellt werden könnten. So einen würden sie mir schicken.

Alle Restaurantkritiken und Kolumnen von Wolfram Siebeck im Überblick © Britta Pedersen/​dpa

Da war er also. "Stellen Sie ihn vor die Tür!", rief ich nach unten und wollte wieder an den Frühstückstisch. Aber es stellte sich heraus, dass der Grill in einem Jumbo-Lkw stand, der für die Auffahrt zur Burg nicht geeignet war. Er parkte unten im Dorf bei der Kirche.

Eine Dreiviertelstunde später, Tee und Toast waren kalt geworden, hatte ich mithilfe von Madame und ihrem Kleinkombi den schweren Karton und einen Arm voll Päckchen unter das Dach der Remise gewuchtet. Das Öffnen und Auspacken ging fast so einfach wie damals, als ich bei Ikea ein Schreibpult gekauft hatte, das ich selber zusammenbauen musste. Von der Montage blieben eine Narbe sowie ein Kilo Schrauben und Stöpsel zurück.

Deshalb sichtete ich den Inhalt der Kiste mit der gleichen Vorsicht, mit der ein Sprengstoffexperte des BKA verdächtige Koffer untersucht. Der Anweisung entnahm ich, dass in den acht Extrapaketen 43 Kleinteile steckten, die zur Endmontage gebraucht werden. Als ich alle Teile des "Ascona 570MX" der Firma Outdoorchef auf dem Boden ausgebreitet hatte, kam Madame vom Einkaufen zurück und zeigte mir eine Reihe von Bratwürsten, worauf ich auf die Ansammlung von buntem Stahl, Holz, Blech und Kleineisen deutete. Sie griff sich an den Kopf und verschwand im Haus.

Im Gegensatz zu Holzkohle-Grillgeräten, welche Geruchswolken produzieren, deren Wirkung mit Islands Vulkanasche vergleichbar ist, besitzt ein Gasgrill so etwas wie einen Partikelfilter. Er braucht allerdings auch eine kiloschwere Gasflasche, um seinen Zweck zu erfüllen. Als ich sie besorgt und mithilfe von zwei jemenitischen Bombenbastlern alle Teile zusammengebaut und angeschlossen hatte, war eine Woche verstrichen. Die Würste hatten wir inzwischen in der Küche auf dem Induktionsherd gebraten und mangels Grillparty mit den Hunden der Nachbarschaft geteilt.

Der fertige Grill wiegt so viel wie ein Motorrad, hat überhaupt eine beeindruckende Ähnlichkeit mit einem Bike, kann fast so viel wie ein Auto, ist aber wetterabhängig und wird von allen Männern bewundert.