Oma steckt Dir zwei 50-Euro-Scheine zu, Du strahlst, sagst von Herzen Danke, umarmst die alte Dame – und überlegst Dir, was Du mit dem Geld machen sollst. Gleich ausgeben für den tollen schwarzen Cityroller bei Karstadt? Nein. Oder im Schreibtisch in Deinem Zimmer verstecken? Auch nicht. Lieber bringst Du es auf die Bank, schließlich hast Du ein eigenes Konto, und auf dem gibt es Zinsen für Dein Geld. Das heißt: Die Bank zahlt Dir etwas dafür, dass Du sie Dein Geld aufbewahren lässt.

Da stellt sich doch die Frage: Warum kann sie das? Warum tut sie das?

Die Antwort: Die Bank verleiht Dein Geld größtenteils weiter. Zum Beispiel an jemanden, der ein Haus bauen will und dafür geliehenes Geld braucht. Oder an einen anderen Menschen, der ein neues Auto kaufen möchte, aber im Moment nicht genug Geld dafür besitzt. Vielleicht verleiht die Bank es auch an ein Unternehmen, das eine neue Maschine kaufen will.

Egal, wem die Bank etwas leiht: Sie verlangt in fast jedem Fall höhere Zinsen von dem, der das Geld bekommt, als sie Dir für Deine 100 Euro gibt. Beispielsweise bezahlt sie Dir im Jahr zwei Prozent oder eben zwei Euro – aber der Autokäufer muss sechs Prozent oder sechs Euro Zinsen an die Bank bezahlen.

Zwei Prozent für Dich, aber sechs Prozent vom Autokäufer – das klingt ganz schön unverschämt. Denn das heißt ja, die Bank gibt Dir nur zwei Euro für Dein Geld und behält vier Euro für sich, das Doppelte also. Doch ganz so einfach ist die Sache nicht. Die Bank muss ihre Mitarbeiter bezahlen, den Kassierer zum Beispiel, der Dein Geld entgegennimmt, wenn Du es hinbringst. Sie muss die Miete für das Bankgebäude bezahlen, muss die Tische und Stühle und Computer darin kaufen.

Vor allem aber geht sie ein Risiko ein, wenn sie Dein Geld weiterverleiht: Vielleicht kann der Autokäufer schon bald gar nicht mehr bezahlen, weil er ärmer ist, als er dachte. Dann gibt es keine Zinsen mehr von ihm, und das geliehene Geld selbst bezahlt er auch nie mehr zurück. Dann hat die Bank den Schaden. Denn sie muss Dir ja Dein Geld samt Deiner Zinsen zurückgeben.

Es kommt für die Bank noch ein Problem hinzu: Wenn Dein Geld auf einem normalen Konto oder auf einem Sparbuch liegt, kannst Du es fast jederzeit wieder abheben. Mit dem Autokäufer aber vereinbart die Bank eine Rückzahlung nach und nach innerhalb von zwei Jahren. Das heißt, wenn Du Dein Geld plötzlich irgendwann zuvor vom Konto nimmst, muss die Bank vielleicht Ersatz schaffen – und das kostet sie dann zusätzlich. Deshalb bezahlt die Bank Dir meistens auch höhere Zinsen, wenn Du Dein Geld bei ihr festlegst. Wenn Du etwa unterschreibst, dass Deine 100 Euro zwei Jahre lang fest bei der Bank bleiben, bekommst Du für diese Zeit einen höheren Zinssatz.

Man sieht schon, eine Bank muss aufpassen, dass sie immer genug Geld zur Verfügung hat, wenn Leute wie Du ihr Geld abheben wollen. Und sie sollte vorsichtig damit sein, wem sie für welchen Zweck Geld leiht. Oft verlangt sie eine Sicherheit dafür, dass sie jemandem etwas leiht. Vom Hausbauer verlangt sie zum Beispiel das Recht, sein Haus verkaufen zu dürfen, wenn er nicht mehr bezahlen kann. Und doch: Wenn zu viele Hausbauer aufgeben müssen, gerät die Bank in Schwierigkeiten. Denn wenn sehr viele Häuser verkauft werden müssen, sinkt deren Wert und reicht dann nicht mehr, um das verlorene Geld zu ersetzen. Und wird es ganz schlimm, kann die Bank Dir eventuell Deine 100 Euro nicht mehr auszahlen, wenn Du sie abheben willst.

Deshalb muss der Staat auf die Banken aufpassen, damit sie nicht das Geld von Leuten wie Dir in Gefahr bringen. Er schreibt ihnen vor, wie vorsichtig sie mindestens sein müssen, wenn sie Geld verleihen. Und wie viel eigenes Geld sie bereithalten müssen – für den Fall, dass verliehenes Geld trotzdem nicht zurückbezahlt wird.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unterwww.zeit.de/audio